Reformationstag &Halloween

Gedanken über Grusliges, die Angst und das Konzept Liebe
zum Reformationstag von Dekanin Katharina Treptow-Garben


Reformationstag – „Ein feste Burg ist unser Gott“ erklingt in den Kirchen der Südlichen Kurpfalz.
Sozusagen der Schlager der Reformation.
Reformationstag und eben auch Helloween, wie unsere Kinder wissen.

Am Reformationstag sind außerhalb der Kirchen viele gruselige Gestalten unterwegs: Hexen, Gespenster und Vampire. Was da rund um Halloween nicht alles umherspukt. Süßes sonst gibt´s Saures rufen kleine Horden dieser Geister und man tut gut daran, an der Haustür etwas Süßes parat stehen zu haben. Sonst bekommt man vielleicht doch noch Grund zum Fürchten.

Dass man andere dazu treibt Angst zu haben, damit sie tun, was man will – das gab es immer schon, auch im Namen der Kirche. Das Fegefeuer und die Idee des Zornes Gottes wurden benutzt, um die Menschen klein und gefügig zu halten. Unwissenheit war ein hohes Gut für diejenigen, die sie ausnutzen konnten.

Deswegen ist es gut, dass wir den Reformationstag bedenken.
Wir denken an die Entdeckungen, die Menschen wie Martin Luther gemacht haben, die selbst für uns heute noch wichtig sind. Der Motor für Luthers Suche nach neuen Antworten war seine Angst.

Die Angst
..........vor einem strafenden Gott, dem er, Martin Luther, nie genügen könnte. Es war die Furcht, nach dem Tod in der Hölle zu schmoren, die ihn dazu veranlasste, die Bibel immer wieder zu studieren, zu übersetzen und die einzelnen Worte durchzukauen.

Was Luther gefunden hat, ist die Idee der Gnade Gottes, die allen Menschen gilt. Die Gnade, die größer ist als mein Denken und Handeln. Gnade, die von Liebe zu allen Geschöpfen erfüllt ist. Gnade, die mir sagt: Du bist gut genug. Du bist wunderbar gemacht. Du musst dir deinen Wert als Mensch nicht verdienen.
Fürchte dich nicht.
 
„Furcht ist nicht in der Liebe; völlige Liebe treibt Furcht aus.“
So übersetzt Luther einen Vers aus dem 1. Johannesbrief.
Wer ein Leben nach Gottes Wort leben möchte, der begegnet dem anderen in Liebe und mit Respekt. Furcht ist nicht in der Liebe – in der Beziehung zu Gott braucht es keine Furcht. Außer an Halloween, wo Kinder sich verkleiden, um zu gruseln, sollten wir im Umgang miteinander möglichst ohne Furcht und Angst auskommen können und in Frieden miteinander leben.
 
Man könnte denken: Luther und die anderen Reformatoren und Reformatorinnen haben die Gefahr vor 500 Jahren erkannt – Gefahr gebannt. Doch so sind wir Menschen nicht gestrickt. Wir lernen leider nicht automatisch dazu. Jede Generation macht ihre eigenen Erfahrungen und muss mit neuen und alten Ängsten umgehen.

Angstmache
Unlängst an einem Parteistand setzte sich eine Freundin von mir mit einem Vertreter einer Partei auseinander. Ganz freundlich und ruhig sagte sie zu dem jungen Mann: „Was mich am meisten bei Ihrer Partei stört, dass sie Angst als Mittel nutzen, um die Menschen zu manipulieren.“ Ihr gegenüber antwortete sinngemäß: „Wissen Sie, ich bin Betriebswirtschaftler. Ich weiß, dass man mit Angst am meisten erreicht. Deshalb nutzen wir sie für unsere Zwecke.“
 
Da gibt es einer offen zu. Sie arbeiten mit der Angst vor sozialem Abstieg, mit der Angst vor dem was mir fremd ist, mit der Angst selbst nicht mehr dazuzugehören, mit der Angst abgehängt zu werden und nicht mehr zurecht zu kommen. Und ihre Antwort darauf ist, bestimmte Gruppen von Menschen über andere zu erheben, damit die sich dann besser fühlen sollen. Das allerdings zerstört den gesellschaftlichen Frieden und dann auch in der Konsequenz den Frieden in unserem Land. Am Ende einer solchen Entwicklung steht Krieg und was der Krieg mit einem Land, seinen Bürgern und der gesamtem Infrastruktur macht, sehen wir jeden Tag in den Medien. Und ich habe es auch von meinen Urgroßeltern und meinen Großeltern direkt noch erfahren, was der Krieg mit ihrem Leben gemacht hat. Ohne Väter aufwachsen, in Armut leben, nicht die Ausbildung machen können, die man wollte, traumatisierte Mütter, die Liste lässt sich endlos fortsetzen.
Das lässt mich nachdenklich werden: 

Angst ist kein guter Ratgeber
...
für Regierende nicht und für mich persönlich nicht, zu Luthers Zeiten nicht, heute auch nicht.
Wenn ich darüber nachdenke, was Luthers Erkenntnis uns heute am Reformationstag 2026 bringen könnte, dann: dass wir mutig sein können, Liebe zu wagen, statt Angst zu schüren.
 
Gott steht vollkommen hinter dem Konzept Liebe. 
Das ist keine blinde oder blauäugige Liebe, sondern Liebe zum Geschöpf, und zwar zu jedem.
Mit Gottes Liebe im Rücken, können wir das auch. Luther nannte das Nächstenliebe.
Mit meinem Nächsten zusammen, der Nachbarin, dem Kollegen oder der Unbekannten aus der Bahn kann ich gemeinsam in die Zukunft blicken und der Furcht, Liebe im Sinne von Verantwortungsbewusstsein entgegensetzen.

Das ist eine anstrengende Aufgabe, aber ehrlicherweise hat Luther auch einiges für die Erkenntnis der Gnade Gottes ausgehalten.

Lieben gegen die Angst.
Vertrauen gegen das Misstrauen. Zuversicht gegen die Sorgen.
Wir können uns dieser Aufgabe stellen, damit die Kinder zwar heute einen gruseligen Spaß erleben dürfen, aber ihre und unsere Zukunft nicht zum Gruseln wird.

Luthers Abendsegen
Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist!
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.


Katharina Treptow-Garben


  

Tipps für den Reformationstag

Sa. 31.10.2026
18:00 Uhr
mit Prof. Christoph Strohm (Universität Heidelberg) und Pfarrerin Dr. Anja Bork
Welche Kraft können Worte entfalten? Darüber predigt der Heidelberger Kirchenhistoriker Prof. Dr. Christoph Strohm im Regio-Gottesdienst zum Reformationstag.
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Schwetzingen
Sa. 31.10.2026
18:00 Uhr
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Am 31. Oktober 2026 lädt die Evangelische Kirchengemeinde Hochhardt schon traditionell zum Festgottesdienst zur Reformation nach Walldorf in die Stadtkirche an der Drehscheibe ein.
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Sa. 31.10.2026
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Unser Posaunenchor Sandhausen beschließt sein Jubiläumsjahr zum 100-jährigen Bestehen mit einem Festkonzert am 31.10.2026, 18 Uhr in der Christuskirche.
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