Notfallseelsorge

Interview mit Pfarrer Dahlinger

 

Pfarrer Dahlinger, Sie sind Koordinierender Notfallseelsorger für den Rhein-Neckar-Kreis und die Stadt Heidelberg. Können Sie kurz erklären, was das bedeutet Notfallseelsorge zu koordinieren?

Als Koordinierender Notfallseelsorger bin ich zunächst die Person, die die Verbindung zwischen dem Feuerwehrseelsorgeteam und den vier evangelischen Kirchenbezirken Ladenburg-Weinheim, Neckargemünd-Eberbach, Südliche Kurpfalz, Heidelberg und Kraichgau pflegt. So komme ich z.B. in Konvente und Bezirkskirchenräte, um über diese Arbeit zu berichten und zu werben. Dann bin ich auch der erste Ansprechpartner, wenn ehren- oder hauptamtliche Menschen sich aus diesen Kirchenbezirken in der Notfallseelsorge engagieren wollen. Dazu kommt, dass ich an Notfallseelsorgertreffen der Landeskirche und der Erzdiözese teilnehme.

Und dann bin ich Mitglied im Führungsteam des Feuerwehrseelsorgeteams. Hier übernehme ich regelmäßig 24 Stunden-Dienste, in denen ich als Hintergrund die Einsätze koordiniere. Und nicht zuletzt bin ich selber noch Notfallseelsorger bzw. PSNV-Kraft und fahre regelmäßig Einsätze.

Was bedeutet eigentlich PSNV?

PSNV ist die Abkürzung für Psycho - Soziale - Not - Versorgung. Das ist inzwischen die bundesweit einheitliche Sprachregelung.

Wieso gibt es ein Feuerwehrseelsorgeteam? Welche anderen Teams gibt es?

Das FST ist sozusagen die Organisation, die dafür sorgt, dass Notfallseelsorge geschieht. Im Namen zeigt sich immer noch, dass die Notfallseelsorge im Rhein-Neckar-Kreis zur Familie der Freiwilligen Feuerwehren gehört und praktisch deren Kind ist. Das zeigt sich darin, dass jedes Mitglied des FST zugleich Mitglied einer örtlichen Freiwilligen Feuerwehr sein muss und das FST vom Kreisfeuerwehrverband getragen wird. Neben dem FST gibt es noch den Notfallnachsorgedienst, kurz NND, des Roten Kreuzes. Zwischen beiden Teams gibt es eine enge Zusammenarbeit.

Wieso engagieren sich die Kirchen überhaupt bei Notfällen?

Die Sorge um in Not geratene Menschen ist die ureigenste Aufgabe der Kirche. Das hat uns sozusagen Jesus mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter ins Stammbuch geschrieben. Deshalb gibt es die Diakonie und die Caritas und eben auch die Notfallseelsorge.

Notfallseelsorge ist das ökumenische Angebot der Kirchen, Menschen seelsorglich beizustehen, die sich in einer akuten Krisensituation (z.B. durch einen Unfall oder durch Verletzung und Tod von Angehörigen) befinden. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit Rettungs- und Hilfsdiensten und in der unmittelbaren zeitlichen und räumlichen Nähe zum auslösenden Ereignis.

Unser seelsorgliches Angebot richtet sich zunächst an die von der Krise direkt Betroffenen und ihre Angehörigen, gilt aber auch den Mitarbeitern der beteiligten Rettungs- und Hilfsdienste, der Feuerwehren und der Polizei. Notfallseelsorge ist seelsorgliche Akuthilfe für die ersten Stunden nach einem belastenden Ereignis.

Wie lange arbeiten Sie schon als Notfallseelsorger und was haben Sie dabei für ihren Pfarrerberuf gelernt?

Verantwortlich dafür, dass ich Notfallseelsorger bin, ist die Angelbachtaler Feuerwehr. Die hat mich vor gut 22 Jahren als Pfarrer angefragt. Ich bin dann dort Feuerwehrmann geworden, habe die feuerwehrtechnische Grundausbildung absolviert, den Fachberater Seelsorge gemacht und war dann von Anfang im Feuerwehrseelsorgeteam dabei.

Was ich in dieser Zeit als Pfarrer gelernt habe? Zuerst, dass es keine schnellen Antworten auf existentielle Fragen geben darf. Manchmal sogar gar keine Antwort. Ich erinnere mich dabei an den Unfalltod eines jungen Menschen, den ich konfirmiert hatte. Ich selber war beim Einsatz nicht dabei, aber die Kameraden meiner damaligen Feuerwehr. Als ich ein Tag später bei den Eltern war, um die Bestattung zu besprechen, saßen wir eine unendliche lange Zeit nur da und haben geschwiegen und immer wenn ich aufgeblickt habe, musste ich in die fragenden Augen der Eltern blicken. Eine Antwort für die Eltern, die Dorfgemeinschaft, die Feuerwehrkameraden und für mich selber habe ich dann erst zwei Tage später mit der Trauerpredigt gefunden.

Was ist Ihr Rat an Menschen, die in Not geraten? Was ist der beste Weg, sich Hilfe zu holen?

Hilfe holen. 110 oder 112 wählen. Dann kommt der Rettungsdienst, die Feuerwehr oder die Polizei. Das FST selber kann man selber nicht alarmieren. Das kommt nur, wenn der Einsatzleiter vor Ort es anfordert.



  

Was wir tun können - und was wir getrost Gott überlassen

07.11.2019 | Neue Notfallseelsorger für ihren Dienst gesegnet
Sechs neue Notfallseelsorger wurden am Mittwochabend in der Hockenheimer Kirche von Pfarrer Michael Dahlinger und Pastoralreferent Wolf-Dieter Wöffler für ihren Dienst gesegnet.
 

Notfallseelsorge

Notfallseelsorge ist das ökumenische Angebot der Kirchen, Menschen seelsorglich beizustehen, die sich in einer akuten Krisensituation (z.B. durch einen Unfall oder durch Verletzung und Tod von Angehörigen) befinden.
Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit Rettungs- und Hilfsdiensten und in
der unmittelbaren zeitlichen und räumlichen Nähe zum auslösenden Ereignis.
Die Notfallseelsorge wird von den Rettungsdiensten verständigt.
Im Notfall also 112 wählen.
  

Video Notfallseelsorge

Lichtblicke 97 - Notfallseelsorge - Und was ist mit den Einsatzkräften?
www.ekiba.de