Jonas Ballreich
Jonas Ballreich ( 19 Jahre) ist Kirchenältester in Neulußheim, Mitglied im Leitungskreis der Bezirksjugend und berufen in die Strategiegruppe ekiba2032.
Er stellte sich den Fragen der Öffentlichkeitsbeauftragten Elke Piechatzek:
Er stellte sich den Fragen der Öffentlichkeitsbeauftragten Elke Piechatzek:
Sie engagieren sich in der Evangelischen Kirche. Was war der Anlass dafür?
„Hängengeblieben“ bin ich eigentlich schon in der Konfizeit, damals vor allem durch Foto- und Videoprojekte, z.B. über die Konfirmationstreffen oder später auch mit teildigitalen Krippenspielen. Zusehends habe ich dann auch an anderen Stellen in der Gemeinde mitgewirkt und 2019 dann schließlich für den Kirchengemeinderat in Neulußheim kandidiert, mittlerweile kam da noch die Strategiegruppe und der Leitungskreis der Bezirksjugend als weitere Aufgaben hinzu. Kirchliche Gremienarbeit ist durchaus herausfordernd, man lernt jedoch auch viel und es kann echt Spaß machen!
Sie sind Mitglied einer Strategiegruppe für die Zukunft der Evangelischen Kirche hier in der Region? Worum geht es da?
Meine kurze Erklärung ist da immer: „die Gruppe befasst sich mit der zukünftigen Aufstellung der ev. Kirche“. Etwas genauer wäre hingegen, dass wir uns sowohl mit Relevanz und Auftrag der Institution Kirche einerseits als auch ganz konkret mit der mittel- bis langfristigen Ressourcenplanung andererseits beschäftigen. Hinter diesem Wort verbirgt sich übrigens die bedeutende Frage, wer in welcher Funktion wo zukünftig Ansprechpartner sein wird (Also die Stellen- und Gebäudeplanung). Die Empfehlungen der Strategiegruppe werden den Kirchenbezirk wahrscheinlich für Jahrzehnte prägen, insofern geht damit eine hohe Verantwortung einher.
Gibt es Rahmenbedingungen für ihr Vorhaben?
Ja, in der Tat gibt es die! Der Rückgang an Kirchenmitgliedern und der demografische Wandel gehen auch an der badischen Landeskirche nicht spurlos vorüber. Vergleichbare Gruppen gibt es in allen 24 Kirchenbezirken, das ganze läuft unter dem Motto „Strategieprozess ekiba 2032“ – weil bis dahin die wesentlichen Beschlüsse aus den Gruppen in der gesamten Landeskirche (ekiba) umgesetzt sein sollen.
Welche Rolle hat diese Gruppe und wie geht es jetzt weiter?
Zunächst einmal eine beratende gegenüber dem Bezirkskirchenrat, der unser Konzept nächstes Jahr beraten und schlussendlich beschließen soll – schon jetzt gibt es auch gemeinsame Sitzungen zum Meinungsaustausch. Dieses Konzept wird dann der Bezirkssynode zum finalen Beschluss vorgelegt. Die kann man sich ein klein bisschen wie ein „Parlament“ im Kirchenbezirk vorstellen, in dem gewählte Vertreter:innen jeder Gemeinde aus dem Bezirk sitzen und über die wichtigsten Themen demokratisch entscheiden.
Was sind die schönen Erlebnisse bei dieser Arbeit in den Gremien?
Besonders schön ist es natürlich immer dann, wenn eingebrachte Ideen und Anregungen in irgendeiner Form aufgenommen werden und die Arbeit der Gruppe beeinflussen. Das geht auch mit einer positiven „Grundatmosphäre“ einher, die ich in fast allen kirchlichen Sitzungen erlebe. So habe ich z.B. immer eine sehr respektierende Haltung gegenüber mir und meiner Meinung erlebt – obwohl ich ja meistens die jüngste Person im Raum bin.
Wo sind die größten Schwierigkeiten?
Ganz klar: Wir dürfen uns nicht zu sehr im Aufstellen zukünftiger Strukturen verheddern, das nimmt außerhalb der Gremien sowieso kaum jemand wahr. Umso mehr ist es wichtig, den Blick außerhalb von Gremien zu haben: Wo ist Kirche relevant? Warum treten Menschen aus der Kirche aus? Wie wird welche „Ebene“ der Kirche gesehen? (Teil)-antworten darauf sind nicht einfach und dennoch möglich.
Auch ist es wichtig, die frohe Botschaft wörtlich zu nehmen und im gesamten Strukturprozess motiviert zu sein.
Wie würden Sie die Kirche der Zukunft beschreiben?
Kirche als Institution muss integrierend wirken und kann Brücke in unserer Gesellschaft sein – über soziale, bildungsmäßige und politische Grenzen hinweg. Dabei müssen die Kernaufgaben, Auslegung und Diskurs des Glaubens, auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Trotzdem muss die Verkündigung sich ändern, so wie auch die Gesellschaft sich ändert. Es sollte stärker um Formate und Angebote jenseits der klassischen Sonntagsgottesdienste gehen, auf jeden Fall auch im digitalen Raum. Ebenso soll der Gebäudebestand bis spätestens 2040 klimaneutral sein, die badische Landeskirche unternimmt bereits viel im Bereich Klimaschutz! Werte wie „Bewahrung der Schöpfung“ und „Nächstenliebe“ sollten von der Kirche (auch politisch) klar vertreten werden.
Kirche kann so auch in Zukunft ein relevanter Ort der Gesellschaft bleiben.
Fragen und Foto: Elke Piechatzek

