Monatsspruch Oktober 2026

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Galater 5,1)

Dekanin Katharina Treptow-Garben über die Befreiung von Angst und die Freiheit zu lieben

Liebe Leserinnen und Leser,

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Diese Worte des Paulus sind eine kurze und prägnante Zusammenfassung der christlichen Botschaft. In diesen wenigen Worten ist das ganze Evangelium gebündelt, ist die ganze reformatorische Entdeckung Martin Luthers kurz und bündig zusammengefasst. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“

Das klingt sehr gut mit der Freiheit. Es klingt nach Meer und Wind, nach Weite und Raum. Es klingt, als könnte ich einfach meinen Rucksack packen und sofort losgehen, um Abenteuer zu erleben. Alle Verwicklungen, Verstrickungen würde ich zurücklassen und einfach nur laufen, abends ankommen und am nächsten Morgen weiter, wohin mich meine Füße tragen.
So ist mein persönliches Bild von Freiheit. Aber in den Versen des Galaterbriefes steckt noch viel mehr drin. Und im zweiten Teil des Verses geht es auch eher um den festen Stand als um das stetige Bewegen.
Was also kann das noch bedeuten?

Befreiung vom Leistungszwang
Christus ist für uns Menschen eingetreten.
Er hat sich jenen zugewandt, die nichts leisten konnten.
Er hat durch sein Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen gezeigt, dass Gottes Liebe nicht abhängig ist von Leistungen unsererseits. Es kommt also bei Gott nicht darauf an, wie produktiv und effektiv ich bin, wie viel ich aus mir mache, was ich alles erreiche. Alleine ab und zu diese Gnade zu spüren und auszusteigen aus dem Leistungsprinzip schenkt Freiheit. Es kommt mehr darauf an, wie ich mit mir, mit Gott, mit meinen Nächsten umgehe. Das lenkt den Blick zueinander hin und ändert den Fokus.

Befreiung von Angst
Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele Menschen Angst haben. Angst vor der Zukunft, Angst davor, dass die Demokratie in die Knie geht, Angst, dass die KI die Herrschaft über uns Menschen an sich reißt. Die Ängste sind berechtigt, jüngste Wahlergebnisse machen wir richtig Angst. Genauso war ist, dass sie für viele Menschen in unserem Land Grund zur Freude waren. Was machen diese Ängste, dieses Misstrauen mit uns?
Auch Jesus hatte Angst und Sorgen, aber er hat uns gezeigt, wie wir damit umgehen können. Für Jesus war da das Vertrauen in Gott das wichtigste. Und mit diesem Vertrauen können wir dem großen Misstrauen in unserer Gesellschaft auch begegnen und laut sagen, was uns wichtig ist im Leben. Dieses Vertrauen darauf, dass unser Leben in Gottes Hand liegt, das kann befreien, dass kann uns helfen einzustehen für unsere Überzeugungen und einander in Liebe zu begegnen.

Befreiung zur Liebe
Die Freiheit, von der Paulus schreibt, ist eine Aufforderung die eigenen Bedürfnisse zu äußern und sich die der anderen auch anzuhören, so schwer es mir auch fällt. Es geht dabei aber gerade nicht darum, über meine eigenen Bedürfnisse hinweg zu gehen. Es geht nicht um Aufopferung für andere, die ist nicht gefordert. Es ist die Freiheit sich dem Anderen zuzuwenden, mir sagen zu lassen, was er oder sie von mir braucht und ihm auch sagen zu dürfen, was ich brauche. Und dann hoffentlich gemeinsam einen Weg zu finden. Als Christin will ich immer wieder mit anderen darüber sprechen, was wir brauchen, was Gott uns geschenkt hat und wie wir gemeinsam einen Weg in die Zukunft finden. Manchmal entsteht der Weg durch eine klare Orientierung, manchmal durch ausprobieren und sich verlaufen, manchmal ist es aber auch wichtig, die anderen zu warnen, wenn ein Weg direkt in den Abgrund führt.
Es ist gut, auch hier im Kirchenbezirk, zusammen unterwegs zu sein, zurückzuschauen und zu lernen, vorauszuschauen und mit Freude und Mut zu probieren was geht- in aller Freiheit.

Ich wünsche uns dazu Gottes Segen im Oktober 2026

Dekanin Katharina Treptow-Garben