24. Dezember

 

24. Dezember

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Maria bewegte diese Worte in ihrem Herzen.

Welche Worte eigentlich?
Viel wissen wir nicht davon. Die Hirten haben Maria bestimmt erzählt von den Engeln, von diesem Licht am Himmel. Josef hat vielleicht gesagt: "Das schaffst du." Gott hatte ihr Großes vorhergesagt. Und immer wieder dieses eine Wort: "Fürchte dich nicht. Ich bin da." Gottes großes Versprechen an uns.

Ob es auch andere Worte gab im Stall? „Ich kann nicht mehr?" „Was denn noch?" „Was ist da los, Ruhe, die Herbergsgäste fühlen sich gestört?" Wir wissen es nicht genau.

Wir wissen nur: Maria behielt alle diese Worte. Alle. Die großen und die kleinen. Die tröstlichen und die erschöpften. Sie bewegte sie in ihrem Herzen.

Im Herzen bewegen
Herzen können so viel. Lachen und weinen, manchmal beides gleichzeitig. Heute Abend werden Herzen überfließen vor Freude – und andere werden schwer sein, weil jemand fehlt, weil es kompliziert ist, weil Weihnachten auch wehtun kann. Ein Herz ist überfordert und wird auch richtig krank vor Kummer.
Als Herzpatientin horche ich immer auf, wenn vom Herzen die Rede ist. Es stolpert, es rast, es zieht sich zusammen. Es trägt so viel – und manchmal wird das spürbar. Vielleicht geht es manchen heute Abend auch so: still dasitzen und hoffen, dass es ruhig bleibt da drin.

Bewegen und ein Kind wiegen
Maria sitzt da mit ihrem Kind. Sie wiegt es durch die Nacht. Und sie bewegt Worte in ihrem Herzen – vielleicht weil sie noch nicht versteht, was das alles bedeutet. Vielleicht weil manche Dinge erst wachsen müssen, bevor sie Sinn ergeben. Ein Kind wiegen, bewegende Worte – manchmal ist beides eine Sprache, die tröstet und durch die Nacht hilft.

Der Heilige Abend - am Morgen
Draußen ist noch Hektik, am Morgen des Heiligen Abend. Der letzte halbe Tag, bevor die Welt in Feierlichkeit versinkt.
Letzte Einkäufe, letzte Vorbereitungen, letzte Nervosität.

Und dann wird es still. Vielleicht in einer Kirche. Vielleicht am Fenster.
Vielleicht nur im eigenen Kopf, wenn man kurz innehält.

Das Jahr geht zu Ende. Diese Stimmung macht nachdenklich – was war, was bleibt, was nimmt man mit ins Neue Jahr, was lässt man zurück.
Manche Worte bewahrt man, weil sie weiterhelfen. Manche Erinnerungen hält man fest, weil sie tragen. Anderes muss man loslassen.

Heute Abend darf beides sein: das herzliche Lachen und der Herzschmerz. Der volle Tisch und der leere Stuhl. Die Vorfreude und die Erschöpfung. Das Herz, das vor Glück hüpft – und das Herz, das einfach nur durchhalten will.

Gott war bei Maria, sie war sich sicher. Gott ist auch bei uns – davon bin ich überzeugt.

Ich wünsche uns allen schöne Weihnachtsfeiertage.

Morgen gibt es noch ein Adventstürchen, weil die Geschichte nicht heute endet, sondern erst morgen.

Aber vorher wünsche ich einen gesegneten Heiligen Abend.

Lassen Sie sich bewegen – auch bei unseren Gottesdiensten – Freude wünsche ich Ihnen und  halten sie durch, wenn es schwer wird.
Behalten Sie das in Ihrem Herzen: Gott ist da. Das ist die Botschaft dieses kleinen Kindes für uns in der stillen und heiligen Nacht.
 
Gott segne uns

Elke Piechatzek
Diakonin