21. Dezember

 

21. Dezember

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

 
 
„Und sie kamen eilend und fanden ...“
 
Eile ist nichts Besonderes.
Sie ist Standardbetrieb.
Wir laufen nicht los, weil ein Engel uns wachrüttelt, sondern weil Erinnerungen aufploppen, Termine verrutschen, jemand „Dringend!“ in eine E-Mail schreibt und der Kalender sowieso schon aussieht wie ein Tetris-Endgegner.
 
Eile – können wir.
Finden – damit tun wir uns deutlich schwerer.
 
„Und sie kamen eilend und fanden …“ 
 
Der Vers aus dem Lukas-Evangelium verknüpft beides.
Und das wirkt fast wie ein Kommentar zu unserer Gegenwart:
Wir rennen durch die Welt, aber selten auf etwas zu.
Meist nur weg:
Vor Erwartungen, die wir nicht erfüllen können oder wollen. 
Vor Eindrücken, die zu laut sind. 
Vor Rollen, in die wir nicht passen.
 
Und jetzt dieser Vers, der uns ungefragt in Frage stellt: 
Was, wenn die Richtung wichtiger ist als die Geschwindigkeit?
 
In der Weihnachtsgeschichte rennen die Hirten los – und finden:
„… beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.“
 
Nicht das Setting, in dem man normalerweise eine göttliche Großoffensive vermutet. 
Kein Instagram-taugliches Ambiente.
 
Und die Hirten?
Die halten keinen theologischen Vortrag oder denken:
„Aha, göttliche Inkarnation in suboptimaler Infrastruktur“.
 
Sie finden.
Und staunen.
 
Übertragen ins Heute könnte das heißen:
Vielleicht ist das Entscheidende oft genau dort, wo wir es nicht suchen, weil es uns zu unspektakulär erscheint.
Zu unsauber.
Zu wenig „bereit“.
Zu wenig „fertig“.
 
Wir sind so gewohnt, dass alles glänzen muss, bevor es zählt.
Aber echte Begegnungen haben selten ein gutes Licht-Setup.
Wirklicher Trost hat keinen perfekten Ton.
Und Frieden – der kommt meist in Momenten, die aussehen wie:
„Hier hätte ich eigentlich gar nicht landen wollen.“
 
„Und sie kamen eilend und fanden ..."
 
Der Satz fordert uns heraus, die Perspektive zu drehen:
Natürlich dürfen wir rennen.
Das Leben ist manchmal Tempolimit-frei, ob wir wollen oder nicht.
 
Aber finden – das passiert nur, wenn wir zulassen, dass Wichtiges uns auch an völlig unpassenden Orten begegnen darf: 
In einer ehrlichen Pause.
In einem Gespräch, das plötzlich tiefer wird als geplant.
In einem halbfertigen Moment, der überraschend trägt.
 
„Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.“
 
Vielleicht ist genau das die Pointe dieses Verses:
Nicht weniger Eile.
Sondern ein besseres Ziel.

Und die Bereitschaft, stehenzubleiben und zu staunen, wenn man etwas findet, das nicht perfekt ist – aber wahr.
 
Simone Heidbrink
 

Heute Gottesdienst in allen Gemeinden
der Südlichen Kurpfalz
Gesegneten 4. Advent