17. Dezember

 

17. Dezember

Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

 
 
Diese Krippe auf dem Bild stammt aus Namibia und ich habe sie seit 25 Jahren. Denn vor genau 25 Jahren um diese Zeit lebte ich für ein Jahr in Namibia. Ich arbeitete in einer Gemeinde der Evangelisch-lutherischen Kirche als Ökumenische Freiwillige. Vor allem war ich im Hostel tätig. Eine Art Internat der Kirche für die Kinder, deren Eltern in Gebieten leben, wo es keine Schulen gibt. 80 Kinder lebten im Hostel und es gab zwei Schlafräume, einen für Jungs, einen für Mädchen. Je vier Kinder teilten sich ein Unicef Stockbett.
 
Die Verhältnisse waren einfach, sehr einfach. Immerhin die Kinder bekamen regelmäßig Mahlzeiten und wurden angehalten zum Hausaufgaben machen, mussten mithelfen beim kochen, putzen und waschen. Als junge Freiwillige mit einer anderen Hautfarbe hatte ich zwar auch feste Aufgaben, aber durfte auch mit den Kindern frei spielen. Ich erklärte auf englisch, was ich vorhatte und dann gab es für jede der 13 Sprachen „Übersetzerkinder“ und so kamen wir gut klar.
 
Zu Weihnachten hatte ich mir in den Kopf gesetzt mit den Kindern ein Krippenspiel aufzuführen. Meine Familie faxte ( für die Jüngeren unter uns: Technik vor dem Internet) mir verschiedene Stücke und ich übersetzte eines für die Kinder. Und dann ging es los:
 
Kostüme, Kulissen, Proben – das alles waren große Herausforderungen. Außerdem begannen Mitte Dezember die Sommerferien und einige Kinder fuhren dann nach Hause. Wir mussten die Aufführung also vorverlegen.
 
Es gab noch mehr offene Fragen. Maria und Josef froren in meinem Stück – wir hatten aber über 40 Grad. Das musste also umgeschrieben werden. Die Könige brachten wertvolle Geschenke – was sollten wir da nehmen? Und wer sollte das Jesuskind spielen und welche Hautfarbe hat eigentlich Jesus? Ist das festgelegt? Kann Jesus nicht auch aussehen wie wir, fragten die Kinder mich. Klar dachte ich, damals in Bethlehem war das garantiert auch kein blond gelockter Knabe.
 
Es war hoch spannend und am Ende stand eine Aufführung, zu der aus der Gemeinde in Orwetoveni / Otjiwaronog erstmal niemand kam, weil ein Krippenspiel sehr unbekannt war und die Hostelkinder in der Hierarchie der Gemeinde ganz unten standen.
 
Gerettet haben uns dann die Katholiken. Die katholische Gemeinde räumte ihr Hostel und schickte alle Kinder zu uns in die Kirche und wir hatten einen tollen Nachmittag und überaus stolze Kinder, die das erste Krippenspiel ihres Lebens aufgeführt hatten.
 
Und ich habe es nie vergessen, wie sehr meine Art Bibel zu lesen und zu verstehen geprägt ist von meiner Kultur, meiner Herkunft, meiner Perspektive. Es hat mich gelehrt die Bibel auch mit den Augen anderer zu sehen.
 
Katharina Treptow-Garben