
Fahrradhelm auf und hinaus in diesen trüben, schmuddeligen dritten Advent. Aber noch ist es dunkel. Graue Wolken kann ich keine erkennen. Mond und Sterne auch nicht. In den Nachbarhäusern ist kein Licht. Aber bei uns dringt warmes Licht ins Dunkle. Gleich gibt es herrlich frische Sonntagsbrötchen. Paul wird sich freuen, dass ich mal vor ihm wach bin.
Regentropfen fallen mir ins Gesicht. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, es wären Schneeflocken, die auf meinem Kopf schmelzen. Vor mir führen die weißen Flocken einen fröhlichen Tanz auf. Die Zweige im Vorgarten sind schneebedeckt. Auf der Mauer glitzern Kristalle im Schein der Lichterkette. Gleich muss ich meine Augen öffnen, und weiter zum Fahrradschuppen. Aber noch…
Etwas raschelt neben mir. Ich kann nicht anders und öffne meine Augen. Auf den ersten Blick kann ich nichts erkennen. Jeder kleine Vierbeiner hätte sich längst aus dem Staub gemacht. Trotzdem biege ich die Zweige des Kirschlorbeers zur Seite. Aber natürlich ist da nichts. Oder doch? Zwischen nassem Laub schaut etwas hervor, das sich nicht bewegt und nicht durch Tarnfarben verstecken kann.
Unglaublich! Das ist ja der kleine Wichtel aus unserem Vorgarten, den Paul seit dem letzten Winter vermisst. Wie ist der denn hier gelandet?
Das wird ein besonderes Weihnachtsgeschenk für Paul. An Heiligabend stelle ich ihn in den Garten. Ich bin gespannt, wann er ihn entdeckt. Eigentlich war es nur ein Spaß, als Paul vor zwei Jahren anfing, diese kleine Wichtelfigur beim nach Hause kommen zu begrüßen. Und irgendwann gehörte es einfach dazu. Zu Weihnachten.
Eine größere Freude kann ich ihm nicht machen. Was ist da schon ein Marmeladebrötchen am 3. Advent? Weihnachten kommt. Bald.
Sophie Schole






