
Als Fräulein Müller sich fürchtet,
ist es Nacht und kalt. Aber keine schöne Nacht mit Sternen, Lagerfeuer und Mond. Nein, es ist tiefe, schwarze Nacht. Besonders in ihrem Kopf und in ihrem Herz. Alles ist erstarrt, steif und kalt. Sie friert. Frieren, von innen heraus, so sagte die Oma immer. Eine Tasse warmen Kakao in den Händen könnte helfen, denkt sie. Eine Tasse Kakao voll mit Erinnerungen an glückliche Tage der Kindheit, an Lagerfeuerabende in ihrer Jugend. Eine warme Tasse Trost.
Aber keine warme Tasse in Sicht.
Als Fräulein Müller sich fürchtet,
ist ihr Kopf voll mit Gedanken, die dort einen wilden Tanz veranstalten. Sie führen ein Eigenleben, folgen ihrer eigenen Choreografie: Ob ihre Freundin sauer auf sie ist, weil sie sich schon lange nicht mehr gemeldet hat? Ist der Herd ausgestellt? Will ja keiner, dass die Bude abfackelt. Ist das was sie macht gut genug? Wird sie allem gerecht, was die anderen von ihr erwarten? Ist sie genug?
Doch ganz unerwartet, schleicht sich in die dunkle Nacht im Herzen von Fräulein Müller ein schwacher Lichtschein. Langsam, - aber es wird mehr. Schon kitzelt etwas Wärme an ihrer Herzspitze und dann ist es da: mit Wucht, Wärme und Geborgenheit oder ist es Trost?
Fürchtet Euch nicht, spricht der Engel,
und Tropfen für Tropfen, wie die Sommersonne, die den Eiswürfel in der Limonade zum Schmelzen bringt, nimmt das Licht die Furcht mit sich fort.
Fräulein Müller entweicht ein Seufzen. Das Licht hat sich wie ein Mantel um sie gelegt,
der sie wärmt. Ihr Herz summt getröstet „Oh du fröhliche“.
Fürchtet euch nicht
Wenn G*tt zu uns kommt,
wird Trost In dunkle Herzen schleichen
werden Lieder an Herzspitzen kitzeln
wird ein Mantel aus Licht
dich in deinem Dunkeln wärmen
Wenn G*tt zu dir kommt, wird
Dich deine Furcht verlassen
Sibylle Holzwarth-Weiss





