GOTT HAT KEIN GESCHLECHT Wer eine Diskussion um das „Gendern“ des Gottes-Namens beim Treffen der Frauen im evangelischen Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz erwartet hatte, wurde enttäuscht. Denn: „Gott hat kein Geschlecht“, so Dr. Beate Schmidtgen, Leiterin des Referats „Erwachsenenbildung, Frauen und Männer“ der Landeskirche.
Sie ging an diesem Freitagabend in Wiesloch mit den Teilnehmerinnen der Frage nach: „Wie rede ich Gott an?". Für die Suche nach der Antwort im Alten Testament brachte Dr. Beate Schmidtgen als Mit-Übersetzerin der Bibel in gerechter Sprache die optimalen Voraussetzungen für den Workshop mit.
Persönliches Gottesbild
Zunächst lag der Fokus jedoch auf dem persönlichen Gottesbild der Frauen vor Ort. Sie sammelten Namen, mit denen sie beim Gebet intuitiv Gott ansprechen. Es zeigte sich sowohl eine zu 99 % männlich konnotierte Vorstellung, als auch eine sehr statische. „Das Gottes-Bild, das wir haben, ist geprägt von der Art, wie wir aufwachsen“, erläuterte Dr. Schmidtgen.
Übersetzungen der Bibel
Die Begriffe in der Bibel zeigen jedoch ein anderes. Da ist zum Beispiel die Rede von „El“, Hebräisch für das Wort Gott. Dieses Wort sei kein Name, sondern ein Gattungsbegriff, so die Referentin. Und offensichtlich ist Gott auch nicht immer in der Einzahl zu verstehen. In der Schöpfungsgeschichte ist von mehreren die Rede: „Elohim“ - lasst „uns“ Menschen machen. Der ebenfalls monotheistische Islam benutzt das Wort „Allah“, das ein Wesen bezeichnet, das größer ist, als man sich vorstellen kann. „Allah“ ist die arabische Übersetzung von „Gott“ und verwandt mit dem hebräischen Wort „El“.
„Ich bin da“
Gott lässt sich nicht nicht festhalten. Er ist immer wieder im Wandel. Das zeigt vor allem seine eigene Antwort, als Moses ihn fragt: Wer bist du? „Ich bin ‚Ich bin da‘“, sagt er aus dem brennenden Dornbusch. „Dieser Satz hat viele Übersetzungs-Möglichkeiten“, betonte Dr. Schmidtgen. Die Bedeutungen reichen von Ich-der-war über Ich-der-ist bis hin zu Ich-der-sein-wird. „In der Theologie wird das zusammengefasst in Ich-bin-da‘“, erklärte die Expertin für das alte Testament. Der biblische Name Gottes ist so heilig, dass er nicht ausgesprochen wird, sondern ein Kunstwort verwendet wird: Adonai.
Gott ist wandelbar Martin Luther - Kind seiner patriachalen Zeit - übersetzte das Wort „Adonai“ schlicht mit „Herr“. Und das prägte unser Denken von Gott über Jahrhunderte von Generation zu Generation. Allerdings wird dies Gott nicht gerecht. Dr. Beate Schmidtgen: „Gott ist nicht statisch. Er lässt sich nicht festhalten. Er ist immer im Wandel und begegnet immer wieder neu“.
Dies wird in den ältesten Gebeten, den Psalmen, deutlich. Die Teilnehmerinnen fanden dort Bezeichnungen für Gott, wie: Quelle, Fels, Schild, Vater, Mutter, Adler, Richter, Hirte und ähnliche. Schon bald wurde klar: Auch sie konnten Gott nicht beschreiben. Unsere gläubigen Vorfahren haben versucht, mit Bildern der Gestalt Gottes nahe zu kommen, in der er sich ihnen gerade zeigte.
Dr. Beate Schmidtgen ermutigte die Teilnehmerinnen, es ähnlich zu halten. Sie empfiehlt beim Gebet die Ansprache Gottes, „Gott, du - und dann ein Verb, das beschreibt, in welcher Form Gott uns gerade begegnet“. Um dies auszuprobieren, formulierten die Teilnehmerinnen in Gruppenarbeit ein altes Gebet um. So wurde aus „Allmächtiger, ewiger Gott“ beispielsweise „Gott, du bist immer da“. Selbst die jüngste Teilnehmerin im Grundschul-Alter formulierte ihr tägliches Nachtgebet „Vater, lass die Augen dein“ um in „Gott, lass die Augen dein“. Sie war mit ihrer Mutter über das Internet live zugeschaltet, die an diesem Abend aus Mangel an Betreuungsmöglichkeiten nicht persönlich in Wiesloch sein konnte.
Näher am Sinngehalt
Die Teilnehmerinnen zeigten sich im Anschluss überrascht darüber, wie viel verständlicher die veränderten Texte auch waren. „Klar, heute reden wir ja ganz anders als damals“, sagte eine der Frauen. Die Runde war sich ebenso einig, dass ihnen der tiefere Sinn des Gebets nun „näher ist“. Und so hat sich wohl das Ziel der Referentin Dr. Beate Schmidtgen erfüllt. Sie wollte „Impulse geben, mehr wagen zu dürfen“.