Wenn Rosen aus Dornen blühen 

Gedanken zur Passions und Osterzeit von Dekanin Katharina Treptow-Garben :
Wie die Dornen Zeichen für Karfreitag sind, so sind die Blüten der Rosen das Zeichen für Ostern. Die zarten Blütenblätter kommen trotz allem aus den Dornen hervor. An Ostern erblüht das Leben wieder und stirbt der Tod. 

 
In manchen unserer Kirchen liegt in der Karwoche, spätestens an Karfreitag, eine Dornenkrone vor dem Altar. Sie erinnert an die Dornenkrone, die Jesus aufgesetzt wurde, bei seinem Weg ans Kreuz. Er wurde damit verhöhnt und verspottet. Der Weg nach Golgatha, den Ort, an dem die Kreuzigung stattfindet, ist mit Dornen gepflastert. Es ist unmöglich ihn zu gehen, ohne sich zu verletzen. 
An den Dornen der Gleichgültigkeit kann ich mich verletzen, an den Dornen des „immer recht haben Wollens“, an den Dornen des Verlassen-Werdens, an den Dornen des nicht anerkannt Werdens. Immer wieder müssen Menschen in ihrem Leben durch tiefes Dornengestrüpp kriechen und kommen nicht unbeschadet durch. Immer wieder sind Menschen mit dem, was sie tun oder sagen Dornen für die Wege anderer.
Viele Dornen stechen auf unserem Weg. Und vielen Dornen des Misstrauens ist unser gesellschaftlicher Friede ausgesetzt, immer wieder wird dieser Friede angekratzt und verletzt.

Und auch der Blick in den Nahen Osten, an die Orte, an denen die Bibel entstanden ist, wo die Schauplätze der Erzählungen von Jesus liegen, dort wo sein Weg entlang ging, ist dornig.

Die Dornenkrone wurde Jesus aufgedrückt. Sie zeigt deutlich, wozu Menschen fähig sind. Sie tun einander weh, achten nicht aufeinander, fangen Kriege an, lassen Menschen für ihre Interessen sterben, meinen, dass ihr Reichtum alles legitimiert und sie sich über das Gesetz stellen können. Das ist die Realität. Und diese Realität klagen wir vor Gott, besonders in der Karwoche.

Karfreitag, der höchste Feiertag in der Evangelischen Kirche, ist der Tag sich dieser Wahrheit zu stellen. Karfreitag gibt es keine Ausreden und Ausflüchte. Karfreitag muss gesagt werden, was böse und schlecht ist in unserer Welt, in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche. Daran kam auch Jesus nicht vorbei, sondern er ging mitten hinein bis ans Kreuz.

Wie die Dornen Zeichen für Karfreitag sind, so sind die Blüten der Rosen das Zeichen für Ostern. Die zarten Blütenblätter kommen trotz allem aus den Dornen hervor. An Ostern erblüht das Leben wieder und stirbt der Tod. Das Grab, in dem Jesus lag ist leer. Die Wachen, die seinen Tod bewachen sollten und dafür gerade stehen, dass alles so bleibt wie es ist, liegen ohnmächtig auf der Erde. Der Stein, der das Grab verschließen sollte für immer und ewig ist weg. Der Tod hat nicht mehr die letzte Macht über das Leben, das sagt mir Ostern. Das Leben kann uns wieder blühen vor und nach dem Tod. Dafür stehen die Rosen in den Dornenkronen an Ostersonntag.

Gesegnete Passions- und Osterzeit
wünscht Katharina Treptow-Garben