Da weinte Jesus!
Monatsspruch März 2026
Der kürzeste Vers der Bibel ist der Monatsspruch für März – und er hat es in sich. Jesus weint. Was das mit uns und unseren Tränen zu tun hat, dazu schreibt Elke Piechatzek in ihrer Andacht..

Da weinte Jesus. Johannes 11,35
„Ein Junge weint nicht, ein Junge beißt sich auf die Zunge, auch wenn das Herz reißt."
(Gerhard Schöne)
(Gerhard Schöne)
Jesus weint? Der kürzeste Satz der Bibel traf mich heute Morgen heftig. Auch ich lebe oft so nach dem Motto: Nicht weinen. Ich gebe meinen Gefühlen nicht gerne freien Lauf. Ich schlucke runter und denke: Wird schon. Zusammenreißen.
Jesus nicht – der macht das anders:
Die Schwestern von Lazarus schicken Jesus eine Nachricht: Herr, der, den du lieb hast, ist krank. Als Jesus ankommt, ist Lazarus schon tot. Maria fällt ihm weinend zu Füßen. Überall Menschen, die trauern, die weinen. Und Jesus? Der hält das nicht aus.
Jesus weint.
Warum? Darüber streiten Theologen seit Jahrhunderten. Weint er, weil er selbst trauert? Weil ihn der Schmerz der anderen berührt? Weil er sieht, was Tod und Verzweiflung mit den Menschen machen, die er liebt? Der Text gibt keine eindeutige Antwort.
Dabei weiß Jesus doch, was gleich passiert. Er wird Lazarus auferwecken. Er weiß: Es wird gut.
Manche Theologen sagen, Jesus weinte über den Kleinglauben der Menschen um ihn herum. Ehrlich? Das möchte ich nicht glauben. Das klingt für mich wie genau diese miesen Kommentare, die Menschen hören, wenn es ihnen nicht gut geht: Wein doch nicht. Wird schon.
Reiß dich zusammen? Nein. Heute lerne ich: Auch der Gott, an den ich glaube, weint.
Nicht weil ich kleingläubig bin – sondern weil Gott in Jesus Mensch geworden ist und bei uns sein möchte. Er leidet mit.
Was wir nun wissen: Gott weint.
Gerhard Schöne singt in seinem Lied „Ein Junge weint nicht" davon, wie wir Menschen das Weinen abtrainiert bekommen. Von klein auf. „Ein Junge beißt sich auf die Zunge, auch wenn das Herz reißt." Und der Erwachsene gibt es weiter an die nächste Generation – dieses Verbot, Schwäche zu zeigen. "Das musst du wohl noch lernen - ein Junge weint nicht."
Hören Sie es gerne mal an das Lied. So herzzerreißend.
Was passiert, wenn Tränen nicht fließen dürfen? Wenn wir Trauer keinen Raum geben? Wir halten zurück, was raus muss. Wir schlucken runter, was nach oben drängt. Wir verhindern, dass Schmerz einen Ausgang findet – und wundern uns, wenn es uns innerlich krank macht.
Jesu Beispiel zeigt uns: Halt dich nicht zurück, wenn es dir schlecht geht. Lass Tränen fließen. Und wisse: Ich bin da.
Jesus erweckt Lazarus zum Leben. Er selbst wird auferstehen.
Wir leben auf Ostern hin und von der Auferstehung Jesu her.
Wir glauben daran, dass Gott es am Ende gut mit uns meint.
Es wird gut werden, davon sind wir überzeugt.
Das ist kein billiger Trost, kein „Wein doch nicht, wird schon."
Das ist die Einladung, echt zu leben – mit allem, was dazugehört. Mit Tränen, mit Schmerz, mit Trauer. Und mit der Hoffnung, die aus dem Glauben kommt.
Eine gesegnete Passionszeit wünsche ich uns
Elke Piechatzek
Wir glauben daran, dass Gott es am Ende gut mit uns meint.
Es wird gut werden, davon sind wir überzeugt.
Das ist kein billiger Trost, kein „Wein doch nicht, wird schon."
Das ist die Einladung, echt zu leben – mit allem, was dazugehört. Mit Tränen, mit Schmerz, mit Trauer. Und mit der Hoffnung, die aus dem Glauben kommt.
Eine gesegnete Passionszeit wünsche ich uns
Elke Piechatzek



