„Nächstenliebe ist grenzenlos – Global handeln lernen“
Ökumenischer Religionspädagogischer Tag 2026
Am 12. Februar 2026 kamen Lehrkräfte aus dem evangelischen Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz sowie aus den katholischen Gemeinden der Mittleren Kurpfalz, Wiesloch und Kraichgau im Josefshaus in Schwetzingen zum ökumenischen Religionspädagogischen Tag zusammen.
Nach einem Bewegungsgebet und einem gemeinsamen Lied setzten die katholische Schuldekanin Valeria Linder und der evangelische Schuldekan Christian Lang mit einem Impuls zur Himmelsleiter (Gen 28) einen geistlichen Auftakt. Die Teilnehmenden wählten Symbole wie Leiter, Stein oder Wolke – Bilder für Aufbruch, Last und Verheißung.
In seinem Grußwort unterstrich Frank Schäfer vom Staatlichen Schulamt Mannheim die Bedeutung des Religionsunterrichts in einer zunehmend pluralen Schullandschaft: Im Rhein-Neckar-Kreis sind rund 8.000 Lehrkräfte an über 200 Schulen tätig. Die größte Gruppe der Schüler:innen sind inzwischen ungetauft. Religionslehrkräfte hätten daher eine zentrale Aufgabe: Orientierung geben, ethische Grundlagen stärken und aktuelle Themen sensibel aufgreifen.
Erstmals nahm Schuldekan Christian Lang in seiner neuen Funktion für den Evangelischen Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz an diesem Tag teil.
Hauptreferat: Benjamin Pütter – Kinderarbeit geht uns alle an
Im Zentrum des Tages stand das Impulsreferat von Benjamin Pütter, Theologe, Politologe und ausgewiesener Experte für Kinderarbeit. Seit Jahrzehnten reist er nach Indien, um Fälle ausbeuterischer Kinderarbeit zu dokumentieren und Kinder aus moderner Sklaverei zu befreien. Für sein Engagement wurde er unlängst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Mit großer Sachkenntnis und spürbarer Leidenschaft zeichnete Pütter ein klares Bild: Kinderarbeit beginnt dort, wo Kinder unter 15 Jahren nicht zur Schule gehen dürfen, weil sie arbeiten müssen – oft unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen, etwa in Steinbrüchen oder der Teppichindustrie. Ursachen sind Armut, fehlende Bildungsangebote, gesellschaftliche Strukturen wie das Kastensystem in Indien – und wirtschaftliche Interessen. Kinder sind billiger und leichter auszubeuten.
Eindrücklich machte er deutlich, dass auch Europa betroffen ist: Die EU importiert jährlich Waren im Wert von rund 50 Milliarden Euro, die mit Kinderarbeit in Verbindung stehen.
Doch Pütter beließ es nicht bei Problembeschreibungen. Er stellte konkrete Lösungsansätze vor – etwa das 7-Punkte-Programm von XertifiX Sozialprojekte e.V., das von der Befreiung aus der Sklaverei über Schulbildung und Einkommensförderung für Eltern bis hin zu internationaler Lobbyarbeit reicht. Sein Appell war klar: Weg vom „Man müsste …“ – hin zum „Ich werde“. Jede und jeder kann handeln – auch im schulischen Kontext, etwa durch Fairtrade-Initiativen, Partnerschaften oder kreative Spendenaktionen.
Workshops: Konkrete Impulse für den Unterricht
Am Vor- und Nachmittag vertieften die Teilnehmenden das Tagungsthema in zwei Workshop-Runden. Das Angebot war breit gefächert und praxisnah:
- „Weltgebetstag trifft Schule“ (Barbara Coors, Referentin für gemeindebezogene Frauenarbeit und Weltgebetstag, Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe): Globale Perspektiven von Glauben und Verantwortung wurden für den Unterricht erschlossen.
- „Die Würde des Menschen“ mit Königsfiguren von Ralf Knoblauch (Barbara Plathow-Holl, RPI Karlsruhe): Ein ästhetischer und inklusiver Zugang zur Menschenwürde.
- „Kinderrechte – so klar und doch so fern?“ (Jutta Stier, Schuldekanin im Kraichgau): Konkrete Methoden, um mit Kindern ihre Rechte zu entdecken.
- „Perspektivwechsel – Geschichten von und mit Geflüchteten“ (Sabine Weil, Schulbeauftragte GHWRS, Erzdiözese Freiburg, u.a.): Begegnungen, die Empathie fördern und neue Sichtweisen eröffnen.
Ergänzt wurden die Workshops durch Informationsstände mit Unterrichtsmaterialien, unter anderem vom Weltladen Arche Hockenheim und der Medienstelle Heidelberg.
Fazit
Der Religionspädagogische Tag 2026 verband geistliche Impulse, gesellschaftspolitische Klarheit und konkrete didaktische Werkzeuge. Das Leitwort „Nächstenliebe ist grenzenlos“ blieb nicht abstrakt, sondern wurde greifbar – als Auftrag für Schule, Kirche und persönliches Handeln.




















