Dann sollst du fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat
Gedanken zum Monatsspruch Februar 2026 von Elke Piechatzek
Ende Januar. Ich sitze in meinem Homeoffice. Was für ein verrückter Jahresanfang liegt hinter uns. Fusionen, Weltpolitik, Kirche ist so beschäftigt mit sich und draußen gibt es eine neue Weltordnung. So hört man in den Nachrichten. Ich schlage die Monatslosung Februar auf – die Andacht für die Webseite wartet:

"Dann sollst du fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat." So steht's geschrieben.
Schön und oh ja, "fröhlich sein nicht vergessen". Gott schenkt uns so viel Gutes. Mir und meiner Familie.
Ich schlage die Bibel auf, wie immer, wenn ich wissen will, in welche Situation so ein Wort gesprochen wurde. Moment mal. Da fehlt doch was?
"Dann sollst du fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat, du, die Leviten und die Fremden in deiner Mitte."
Ah ja. Da gibt es wohl noch etwas, was beim Losung-Aussuchen schlicht weggelassen wurde? "Leviten" – war das zu kompliziert und "die Fremden", war das zu politisch?
Die Leviten waren der Stamm, der keinen eigenen Landbesitz hatte in Israel. Sie waren die, die im Tempel dienten, die religiösen Aufgaben übernahmen - aber sie hatten kein Land geerbt wie die anderen Stämme.
Ich schmunzle ein wenig, das kenne ich von uns kirchlichen Mitarbeitenden. Wir sind die, die veranstalten, aber viel zu wenig für uns selbst haben manchmal. Die Tempeldiener, die vor lauter Funktionieren sich gerne mal vergessen.
Keine Sorge, ich beklage mich nicht, wir sind gut bezahlt und leben in warmen Wohnungen, auch wenn meine Heizung gerade spinnt.
Wir kirchlichen Mitarbeitenden sind wohl die neuen Leviten ohne Land. Wir sind gefangen in diesen Mustern, die wohl so alt sind wie das Volk Israel. Ob wir auch Land haben in der Gemeinde?
Dann dieser politische Moment. "Die Fremden in deiner Mitte." Hochpolitisch! Allen gilt es, dass Gott Gutes tut und dass sie fröhlich sein sollen. Keine Rede von "Zuerst die Einheimischen!", und "Die sollen dahin zurück, wo sie herkommen!". Sondern: "Lebt miteinander als geliebte Kinder Gottes."
Ob die Politiker auf der Weltbühne, die sich so gerne für christlich halten, daran denken? Dass die Fremden auch fröhlich sein sollen? Dass sie dazugehören?
Wie gastfreundlich sind wir als Land und als Familien? Gilt Fröhlichkeit nur für "uns"? Für die, die schon immer hier waren?
Für die "richtigen" Familien? Für die kleinen kuscheligen Kreise, in denen man sich nicht streitet?
Familie – auch sowas typisch traditionelles im christlichen Raum, das wir so selten wirklich leben.
Habe ich eine Familie?
Habe ich eine Familie?
Ich trauere noch über den Tod meiner Eltern. Ich verdaue noch meine Scheidung.
Ist das Zusammenleben mit einem Kind, das ich nicht geboren habe, eine Familienform?
Mit zwei Katzen im Haus? Alleinerziehend, berufstätig, über 60 mit einem Teenager im Haus?
Ist das eine Familie oder zählt das nicht? Und was ist mit den Singles?
Dann - PING! WhatsApp. "Mama, ich bring Freunde mit. Nach der Schule, wir kochen uns Chilli, ist das ok?"
Mein erster Gedanke, ganz ehrlich war: "Muss das sein?" Wochenende, ich bin erschöpft.
Aber dann lese ich nochmal die Losung. Oh ja. Mein Sohn hat es verstanden.
"Fremde in unserer Mitte": So entsteht Freundschaft. Einladen und miteinander kochen.
Dazugehören, willkommen sein: So geht Gemeinschaft.
Nicht in frommen Reden. Sondern in meiner Küche.
Fröhlich sein. Über das Gute.
Auch wenn die Heizung spinnt.
Auch wenn die Woche hart war.
Auch wenn die Welt gerade verrückt spielt.
Das Gute sehen.
Die Leviten nicht vergessen.
Die Fremden einladen.
Und sich freuen.
Sich freuen an den kleinen Momenten.
Über Teenager-Kochen in der Küche.
Sich freuen über schnurrende, maunzende Katzen.
Über die Möglichkeit, Arbeit zu haben in einer tollen Umgebung mit unglaublich engagierten Menschen.
Sich freuen, dass der Morgen kalt und klar ist und die Sonne reinscheint in mein Büro.
Sich freuen über diese Kirche, in der Menschen miteinander leben und so viel Gutes tun.
Gott ist dabei und freut sich mit.
Mose sagt es deutlich, damals dem Volk Israel und heute uns:
Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und allen, die dazu gehören, gegeben hat.
Ich wünsche uns einen fröhlichen Februar. – Gott segne uns
Elke Piechatzek
Diakonin



