Gesangbuch-Hitparade: Die Weihnachtsausgabe in Wiesloch

Wunschabstimmung mit klarem Meinungstrend

Auch wenn das neue Jahr schon lange angebrochen ist, haben sich das Weihnachtsfest und die dazu gehörenden Requisiten noch nicht ganz aus der Erinnerung verabschiedet. Manches Kirchenlied ist immer noch als Ohrwurm da und kommt in den Sinn, wenn der Blick auf einen abgelegten Weihnachtsbaum trifft oder die Weihnachtsdeko aufgeräumt wird.

 Nach dem großen Erfolg der Gesangbuch-Hitparade in den vier Regionen des Kirchenbezirks Südliche Kurpfalz fand das beliebte Format diesmal als Weihnachtsausgabe am vergangenen Sonntag in der Stadtkirche Wiesloch statt.
 
„Nachdem das Kirchengesangbuch im letzten Jahr 500 Jahre alt wurde, wollen wir ein weiteres Mal zeigen, wie lebendig es nach wie vor ist – gerade rund um Weihnachten“, sagte Bezirkskantor Paul Hafner, der den Abend gemeinsam mit Kirchenmusikdirektor Christian Schaefer und der Gemeindepfarrerin der gastgebenden Petrusgemeinde Jana Bräuchle gestaltete.
Mit dabei war auch der Bezirksbläserchor Südliche Kurpfalz unter der Leitung von Sven Ebbinghaus. Wie schon bei der ersten Gesangbuchhitparade wurden die Lieder, die bei der Abstimmung am häufigsten gewählt wurden, live musiziert und zum Mitsingen eingeladen.
 
Bei der online-Abstimmung erhielt der erste Liedwunsch fünf, der zweite Liedwunsch vier Stimmen und so fort bis zum fünften Auswahlplatz. 81 Teilnehmende aus dem gesamten Kirchenbezirk haben sich für ein eindeutiges Ergebnis entschieden: Die Klassiker aus dem altbekannten Gesangbuch führten die Folge an, wobei als Überraschung auf Platz 8 das „Joy To The World“ (deutsche Version als „Freue dich Welt“) aus dem neuen Erprobungsgesangbuch landete. 
 
Auf Platz 10 an dem Abend kam „Die Nacht ist vorgedrungen“ von Jochen Klepper aus dem Jahr 1938, eher ein Adventslied und nicht in seiner Art in der weihnachtlichen Freude.
Platz neun erreichte „Herbei, oh ihr Gläub’gen“ von Friedrich Heinrich Ranke als die deutsche Version des lateinischen Liedes "Adeste fideles".
Auf Platz sieben kam in der Publikumsgunst das „Fröhlich soll mein Herze springen“ von Paul Gerhardt aus dem Jahr 1653, das Christian Schaefer an der großen Rensch-Orgel mit dem Zimbelstern-Glockenspiel einleitend, passend zur angesagten Fröhlichkeit, anstimmte.
Auf Platz sechs landete „Hört der Engel helle Lieder“, ursprünglich aus Frankreich stammend mit deutschem Text von Otto Abel von 1954. Gemeindepfarrerin Bräuchle berichtete bei ihrer Moderation von dem Mitsummen der Eltern bei der im Krippenspiel vorgetragenen Melodie, passend zum Erscheinen der kleinen Engel. Ein Engel, so Bräuchle, hätte dabei das lateinische Gloria am Versende nicht verstanden und dafür dann die Version „in dem G’sälz ist Deo“ gesungen.

Statistiken zur Stimmabgabe

Bezirkskantor Hafner hat bei seiner Moderation immer wieder Statistiken zur erfolgten Stimmabgabe eingeflochten. So stammten die meistgewählten Liedklassiker aus dem bekannten Gesangbuch, und nur wenige Stimmen entfielen auf andere Quellen wie das „Neue Lieder“ oder Drittausgaben, die es aber nicht in die TOP10 geschafft hätten. Auch zu Liedern aus dem Regionalteil des roten Gesangbuchs seien Stimmen abgegeben worden, die aber weit abgeschlagen es nicht in die Endausscheidung erreicht haben. Bei den TOP10-Liedern, die an dem Abend in der gut besuchten Stadtkirche gesungen wurden, sei die Reihenfolge eindeutig gewesen, wobei für manche Lieder auch keine Stimmen abgegeben wurden, und so die Erstplazierten umso höhere Stimmanzahlen erreichten.
 
Platz fünf belegte das weltweit verbreitete „Oh du fröhliche“ mit italienischem Ursprung und deutschem Text von Johannes Daniel Falk aus dem Jahr 1816, bei dem sich Schaefer moderierend wunderte, dass das Lied nicht auf den ersten Platz kam.
Auf den vierten Platz kam „Stille Nacht, heilige Nacht“, 1818 mit einer Melodie von Franz Xaver Gruber und dem Text von Joseph Mohr erstmals aufgeführt. Bezirkskantor Hafner analysierte auch hier wieder die Abstimmung: „Entweder man mag es, oder man mag es überhaupt nicht“.
Platz drei war „Macht hoch die Tür“, in Ostpreußen im 17. Jahrhundert entstanden mit Text von Georg Weissel. Gemeindepfarrerin Bräuchle erläuterte den Hintergrund der Entstehung und die weltweite konfessionsübergreifende Verbreitung. 
Platz zwei schließlich war „Ich steh an deiner Krippen hier“ von Paul Gerhardt aus dem Jahr 1653. Finaler
Höhepunkt auf dem ersten Platz stand „Tochter Zion“ von Friedrich Heinrich Ranke und Melodie von Georg Friedrich Händel, bei dem die beiden Orgeln zusammen mit dem Bezirksbläserchor ein musikgewaltiges Finale gaben.
 
Text: Alex Wolf