Bachs Weihnachtsoratorium als gemeinsamer Aufbruch

Das erste große HoRAN Projekt zum Lobe Gottes

Eine Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach ist immer ein Ereignis. Noch bedeutender wird eine solche Aufführung, wenn sich Chöre der zukünftigen Evangelischen Kirchengemeinde HoRAN zum ersten Mal zu einem solch großen Projekt zusammenfinden.

So haben die Chöre aus Neulußheim und Hockenheim mit zahlreichen Gastsängern ein knappes Jahr an dem anspruchsvollen Oratorium geprobt.
 
Dass Bachs Musik in der Hockenheimer Stadtkirche unter der gemeinsamen Leitung des Hockenheimer Kantors Samuel S. N. Cho und der Neulußheimer Chorleiterin Valerie Schnitzer erklang, war angesichts der 260 verkauften Karten allein wegen der Größe der adventlich erleuchteten Stadtkirche notwendig. Die rund 80 Sängerinnen und Sänger boten zusammen mit den Musikern der Kurpfalz-Philharmonie und vier hinreißenden Solisten eine begeisternde und zugleich anrührende Darbietung.
 
Gerahmt wurden die drei ersten Kantaten aus dem Oratorium von dem Eingangschor „Jauchzet frohlocket“, der mit den charakteristischen Paukenschlägen für Generationen von Klassikfans zum erhebenden Klang von Weihnachten zählt. Der Chor warf sich stimmgewaltig in die feierliche Lobpreisung der Weihnacht hinein. Highlights waren dabei gewiss das hochanspruchsvolle „Ehre sei Gott“ und natürlich die Eröffnung der dritten Kantate „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“. Aber auch die zu Herzen gehenden Choräle wie „Wie soll ich dich empfangen“, „Schaut hin, dort liegt im finstern Stall“ oder den Schlusschoral des dritten Teils „Seid froh dieweil“ trug der Chor behutsam und klangschön vor.
 
Besonders überzeugten die Solisten. Allen voran er Tenor Constantin Rupp, der als Evangelist in Rezitativen die Geschichte der Weihnacht nach Lukas erzählte. Mit Bravour meisterte er auch die Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilt!“. Mit ihrer brillanten Sopranstimme bezauberte Alma Unseld vor allem im Duett mit dem Bass Girok Son in der Arie „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen“. Girok Son riss die Zuhörer mit der fast schon swingenden Arie „Großer Herr, o starker König“ mit. Für die gebannten Zuhörer gehörte die Alt-Stimme Countertenor Changhoon Eos sicherlich zu den herausragenden Klangerlebnissen des Abends. Er bot die Arien „Bereite dich, Zion“ oder „Schlafe mein Liebster, genieße die Ruh“ mit großer Virtuosität dar.
 
Das Orchester bot unter dem souveränen Dirigat von Samuel S. N. Cho und Valerie Schnitzer einen wunderbaren Gesamtklang und auch die Solistinnen und Solisten an der Trompete, den Oboen, der ersten Geige oder den Querflöten zeigten große Könnerschaft. Ein Konzerterlebnis, das mit stehenden Ovationen des sichtlich bewegten Publikums schloss.
 
Text: Holger Andreas