Schuldekanin Christine Wolf verabschiedet sich im Gespräch

Verabschiedungsgottesdienst am Freitag 18. Juli 2025, 18 Uhr Dreifaltigkeitskirche St. Ilgen

Vom irren Lebensgeschenk, den Taschen, die es auszupacken gilt und dem Leben einer Schuldekanin aus Überzeugung

„Ich bin gerne Schuldekanin, noch bin ich es jeden Tag und doch hatte ich das Gefühl die 20 Jahre hier in der Südlichen Kurpfalz sind so eine runde Sache, dass ich jetzt auch noch etwas anderes machen kann vor dem Ruhestand.“
Schuldekanin Christine Wolf sitzt in den Pfingstferien lachend vor mir und erzählt von vielen Jahren hier in der Südlichen Kurpfalz, die mit Beginn der Sommerferien enden. 

Die drei Taschen
„Es gab immer drei Taschen, aus denen sich mein beruflicher Alltag gestaltete. Die Schultasche der Religionslehrerin am Hebelgynmasium in Schwetzingen.
Die andere steht hier im Schuldekanat, hier koordiniere ich die Einsätze aller Lehrkräfte im Fach Religion in der Südlichen Kurpfalz. Die dritte Tasche, mit der war ich unterwegs als Teil des Dekanatsteams in der Leitung des Kirchenbezirkes.“

Schulvikariat, Schulpfarrerin und Schuldekanin
Schon in ihrer Ausbildung als Theologin war Christine Wolf gerne in der Schule.
„Damals gab es noch Schulvikariate, ich verbrachte das zweite Jahr meines Vikariats 1994 in der Schule in Heidelberg. Vorher war ich in Baiertal in der Gemeinde. Auch in der Luthergemeinde Bruchsal war ich gerne an Schulen. Ich mochte es in Hauptschulen zu unterrichten. Meine Ausbilder meinten schon, das wäre genau das, was ich gut kann. Weil hauptamtliche Religionslehrerinnen nur gymnasial eingesetzt werden, arbeitete ich dann am Bachgymnasium in Mannheim als Schulpfarrerin. Das war für mich eine großartige Gelegenheit. Ich war dort 9 Jahre tätig, bevor ich in die beiden Kirchenbezirke Schwetzingen und Wiesloch 2005 als Schuldekanin wechselte."

Der Glaube ist ein irres Geschenk
„Ich war durch und durch kirchlich sozialisiert in Heidelberg. Durch meine Mutter lernte ich Kirchengemeinde kennen und war bei allem dabei, was es da zu erleben gab. Vom Jugendkreis bis zur Freizeit, ich war ein Kind der Kirchengemeinde.“
Christine Wolf erzählt, wie sie angesteckt wurde von der Idee des Glaubens.
„Ist das nicht ein irres Geschenk, diese Botschaft , die uns Jesus vermittelt hat? Das liegt nun vor uns, ob ich es auspacke, liegt dann an mir.“
Die Schuldekanin ist überzeugt, dass wir Kinder und Jugendlichen den Schatz des Glaubens vermitteln sollen. Sie versteht ihren Glauben als Zutrauen Gottes in alle Menschen. „Mir wird was zugetraut, das ist doch eine unglaublich mutmachende Botschaft. Ihr seid das Licht der Welt, ihr seid das Salz der Erde. Das ist Zutrauen und wissen, ich kann was bewirken.“

Die Schuldekanin als Bildungsdekanin
Schuldekanin ist ein wunderbarer Beruf, fügt sie lächelnd dazu. „Ich hatte das Glück, damals vom Vorgänger gut eingearbeitet zu werden. Als Dienstvorgesetzte der kirchlichen Lehrkräfte und als Fachaufsicht aller Lehrkräfte im Evangelischen Religionsunterricht gibt es jede Menge zu koordinieren, die Einteilung der Schuldeputate ist in jedem Schuljahr eine Herausforderung. Ich war bei zahlreichen Bewerbungsverfahren mit dabei, nehme seit Jahren am 2. Examen der Theologen im Fach Religionspädagogik die Prüfungen mit ab. Ich entwickle seit Jahren Fortbildungsangebote und bin die Ansprechperson in Sachen RU in allen Schulen der Region. Neue Ideen für die Unterrichtsgestaltung entwickelte ich mit.
"Wir haben immer mal uns überlegt, ob wir unseren Beruf nicht Bildungsdekan/in nennen, aber wollten dann doch die gemeinsame Bezeichung für katholische und evangelische Kolleginnen nicht aufgeben, erzählt Christine Wolf weiter. "Bildung beschreibt es schon umfassender als nur der Begriff Schule. Das ganze Thema Bildung gehört zu den Aufgaben von Schuldekanen.
Bildung betrifft das ganze Leben. Glaubensvermittlung beginnt bei Kleinkindern und endet bei den Senioren. Die Kommunikation des Evangeliums ist eine lebensbegleitende Aufgabe. Ich war lange Jahre im Leitungskreis der Erwachsenenbildung, begleite unser Projekt Religionspädagogik in Kindertagesstätten mit dem Evangelischen Profil.  Es ist gut, dass in allen Kirchenbezirken dafür eine Fachstelle Bildung mit dem Schuldekan/der Schuldekanin eingerichtet ist.“

Leitung eines Kirchenbezirks
Schuldekanin Christine Wolf kennt aber auch die Gemeindearbeit und ist in allen Kirchengemeinden bekannt. Bezirksleitung sei keine Kür bei den Aufgaben der Schuldekanin. Das sei Pflichtprogramm, sich an den Leitungsstrukturen des Kirchenbezirks zu beteiligen.
„Ich hatte immer klare Vorstellungen, was die Leitung eines Kirchenbezirkes betrifft.“
Die Aufgaben sind dabei klar verteilt. Die Dekanin/der Dekan repräsentiert nach außen und die Schuldekanin/der Schuldekan vermittelt in die Schul- und Bildungswelt.
"Ich war ja bereits Schuldekanin in den beiden Bezirken, die 2008 zur Südlichen Kurpfalz sich zusammen schlossen. Ich kannte also beide Dekanate und hatte klare Vorstellungen, was im neuen Kirchenbezirk geschehen kann und soll.
Aus zwei Kleinen was Großes zu machen, das war damals unglaubliches Potential. Wir haben uns Freiraum geschaffen und die Regionen in den Blick genommen. Das hat uns jetzt im Strategieprozess sehr geholfen.
In der Südlichen Kurpfalz gibt es einige Vorteile, die wir wirklich gut nutzen konnten. Durch die großen Gemeinden gab es auch eine stattliche Anzahl von Religionspädagog_innen. Ich schätze bis heute die Zusammenarbeit der Berufsgruppen Diakon_innen und Pfarrer_innen. Wenn sich viele einbringen mit unterschiedlichen Gaben und Talenten kann das allen nur nützen."

Auch in der Leitung des Kirchenbezirks setzte sich die Teamidee durch. Mit Dekanin Annemarie Steinebrunner und den jeweiligen Stellvertretern entstand ein Dekanatsteam, das selbstverständlich zusammen auftrat und sich auch gegenseitig vertreten konnte.

Bürogemeinschaft
Die Bürogemeinschaft erst in der Heidelberger Strasse und jetzt in der Ringstrasse zusammen mit der Erwachsenenbildung, Dekanat und Schuldekanat war ebenso eine Idee des neuen Kirchenbezirks. "Das ist auch ein Geschenk in so einer Gemeinschaft zu sein", erzählt Schuldekanin Wolf, bevor sie von der Zusammenarbeit mit Claudia Beigel im Schuldekanat schwärmt. „Seit 2006 arbeiten wir zusammen. Hoch kompetent hat sie in ihren 12 Wochenstunden hier alles zusammengehalten und organisiert. Das war ein großes Glück, wofür ich sehr dankbar bin.“
Leitungsteam für 20 Kirchengemeinden
Von den vielen Kontakten und Prozessen vor Ort berichtet Schuldekanin Wolf weiter:
„Ich glaube, mich kennen alle Kirchenältesten in der Südlichen Kurpfalz. Weil ich ebenso wie die Dekaninnen und deren Stellvertreter vor Ort war bei Einführungen und Abschieden von Hauptamtlichen, bei Visitationen der Kirchengemeinden. Es war immer wichtig, Meinungsverschiedenheiten im Dekanatsteam, die es durchaus gab, intern zu besprechen und dann zusammen nach außen die Lösungen zu vertreten.
Das ist in meinen 20 Jahren hier immer gelungen.  Noch gibt es hier volles sattes Gemeindeleben. Da schon die Zukunft der enger werdenden Haushaltsmittel zu planen, ist eine Herausforderung. Gut ist wirklich, dass wir im Kirchenbezirk schon eine Fusion erlebt haben, in der Transformation als etwas Gutes erlebt werden konnte.
Es geht nicht immer nur um Reduktion von Mitteln, ganz oft entstehen Teams und Einheiten, die vielfältiger sind und mehr Möglichkeiten bieten.
Ich wünsche dem Kirchenbezirk da weiter viele kreative Ideen.“

Schuldekanin Wolf ist noch mitten im Geschehen und manchmal wirkt sie selbst überrascht von der Idee, jetzt zu gehen.
"Ich arbeite sehr gerne mit Katharina Treptow-Garben zusammen, ich bin jeden Tag, den ich noch hier bin, gerne Schuldekanin. Aber diese 20 Jahre hatten so eine Wirkung auf mich. Es schien mir rund, jetzt hier aufzuhören. Ich wollte mir noch mal eine andere berufliche Perspektive vor dem Ruhestand gönnen und habe mich für den ständigen Vertretungsdienst beworben. Noch weiß ich gar nicht, wo es hingeht. Das ist ja das schöne am Vertreten, man kommt spontan in eine Gemeinde zum aushelfen oder auch in zwei. Ich lass mich überraschen, auch ein Geschenk, das ich auspacken darf.
 
Verabschiedung
Am Freitag 18. Juli 2025 um 18 Uhr wird Schuldekanin Christine Wolf im Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche St. Ilgen verabschiedet.


 Text und Fotos: Elke Piechatzek