Mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.
Monatsspruch Juni 2025 Apostelgeschichte 10
Über Vorurteile und Gottesfurcht ...
Ich stelle wieder einmal fest, dass viele christliche Grundsätze und Haltungen nicht einem Zeitgeist entsprechen, den Rechte für links halten, sondern dass diese sehr wohl biblisch begründet und uralt sind. Was für klare Worte Petrus da spricht: Mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf. Worum geht es in der biblischen Geschichte, in der Petrus feststellt, dass es keine unreinen und unheiligen Menschen gibt? Kornelius - Hauptmann der Römer- bat Petrus zu sich kurz nach dem Pfingstwunder und wollte sich taufen lassen. (Apostelgeschichte 10) Ein "Unheiliger" ist er, ein Angehöriger der Besatzungsmacht, noch dazu kein Jude, also nach den Vorstellungen der Alten Schriften ein "Unreiner".
Offensichtlich haben zu allen Zeiten, Menschen dazu geneigt, sich lieber der eigenen Umgebung anzunehmen, dem Vertrauten und nicht fremden Kulturen. Vermeintlich sicher schien es, sich nicht mit denen einzulassen, vor denen man sich doch eigentlich im Innern fürchtet, weil die Vorurteile einen dazu leiten. Und Teil der Gemeinschaft werden, das war bei "Fremden" unrein und unheilig. So schützte man sich und das 'eigene Volk'. Ganz anders in Gottes Volk.
Mir geht das auch manchmal so, dass ich vorgefasste Meinungen habe, weil mir jemand oder etwas fremd ist. Oder weil mich jemand gewarnt hat vor der Heimtücke eines Menschen. Es ist sehr gut, auch vorsichtig mit Menschen zu sein.
Petrus redet aber von einem andern Plan für Gottes Volk: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht,sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Gott fürchten scheint sinnvoller zu sein, als Menschen gegenüber wegen ihrer Herkunft misstrauisch zu sein. Willkommen ist, wer tut, was recht ist. Das wäre eine Willkommenskultur, die Einheimischen und Fremden gut tun würde.
In meiner Arbeit in der Förderschule habe ich oft gesagt, wie schwer es die Kinder haben, die gut und böse nicht unterscheiden können, die eben nicht wissen, was recht ist. Ein (junger) Mensch ohne moralisches Urteilungsvermögen und vor allem ohne Empathie wird es schwer haben in einer Welt, die ganz sicher vielfältig bleibt. Misstrauen und Egoismus führen auf keinen guten Lebensweg, davon bin ich überzeugt.
Wir müssen alle lernen, zu tun, was recht ist - so einfach kann man es sagen. Es ist nicht recht, einen Menschen als unrein oder unheilig zu bezeichen, oder als "Messermann" und "Kopftuchmädchen", das Gefahr nach Deutschland bringt.
Bin ich naiv? Nein - bin ich nicht, ich schreibe ja davon, dass es Klarheit geben muss im Umgang mit den Menschen. Dass wir unterscheiden zwischen Gut und Böse. Das beginnt in der Pubertät, wenn wir als Eltern oder Lehrkraft einen jungen Menschen prägen. Mitgefühl kann man wirklich lernen, indem man die alten Methoden der Streitschlichtung anwendet, in denen man zuerst zuhören muss, was andere sagen, dann wiederholt, was gesagt wurde und nachfragt, ob man das richtig verstanden hat. Und erst wenn das Gegenüber zustimmt, darf man neue Widerworte sprechen. Wenn ein solches Streitgespräch gelingt, gibt es oft eine Lösung für beide Seiten.
Es ist nicht gut, einen Menschen unheilig zu nennen. Es ist auch nicht gut, Menschen aufgrund Ihrer Herkunft einzuteilen in Gut und Böse. Oder darauf zu warten, dass jemand sich richtig bekehrt und bekennt, bevor man ihn in eine "heilige Familie" aufnimmt, derer die sich vertrauen.
In meinem Leben gab es ganz selten Begegnungen, in denen ich aufgehört habe, nachzufragen, warum sich jemand so benimmt. Es ist auch heute so, dass ich mich selten innerlich abwende von Jemandem. Jede Ausnahme erlebe ich als Scheitern, das mich sehr lange beschäftigt. Ich habe mühsam gelernt, mich von Menschen zu verabschieden, mit denen ein gutes Miteinander nicht möglich ist. Ich würde sie dennoch nicht als unreinig oder unheilig oder schlicht böse bezeichnen, auch wenn einem manchmal danach ist.
In der Welt des Social Media allerdings habe ich aufgehört, Dinge zu kommentieren, die vor Hass triefen, bösartige Meinungsmache lässt mich verstummen. So ein Verhalten ist ganz sicher unheilig. Es wäre aber interessant genau zu schauen, warum schreibt jemand sowas und wie kommt man zu einer politischen Meinung, die menschenverachtend ist. Mal ganz abgesehen von Trollen, die künstlich erstellt und eine Art 'Kriegsführung' sind. Nur, wenn da ein Mensch sitzt und lieblose, missachtende, menschenfeindliche Sätze formuliert, dann frag ich mich oft, wie bist du so geworden und wie kann es besser werden - für dich und deine Umwelt. Es ist klar, welche Frage als Richtschnur dient: Ist das, was du sagst oder tust, Recht in Gottes Augen und dient es den Menschen im Umgang miteinander?
In der Biberacher Kirche gibt es ein Bild aus dem Jahr 1746 von der Taufe des Kornelius und wer reicht die Taufschüssel? Ein kleiner schwarzer Junge. Eine kluge Idee des Malers Johannes Zick, die Gemeinschaft derer, die der Taufe beiwohnen mit dem Jungen zu ergänzen. Und der Mann mit der Mütze links gehört sicher auch nicht ursprünglich zur Kultur des Malers. Den Blick weiten, sehen, wer alles dazu gehören will und dazu gehören darf. Selbstverständlich, weil Gott nicht auf die Person sieht sondern jeden und jede willkommen heißt. Das hat uns Gott gezeigt, dass wir keine Un-möglichkeit definieren, sondern sehen, wer da ist und wer es richtig machen möchte. Möge der Geist wehen, wo er will und viele Menschen erreichen. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Frohe Pfingsten