Theolog*innen diskutieren über Teambuilding und Kooperationsräume

- 15.11.2024 - 

Rund 130 Theolog*innen nehmen am ersten Prälatur-Tag der Evangelischen Landeskirche in Baden teil

Karlsruhe, (15.11.2024). „Lost in Cooperation?“ Unter diesem Motto hatten Heide Reinhardt und Marc Witzenbacher, Prälatin und Prälat der Evangelischen Landeskirche in Baden, erstmals alle Hauptamtlichen im Verkündigungsdienst zu einem Prälatur-Tag eingeladen. Rund 130 Teilnehmende beschäftigen sich am Freitag, 15. November, in Karlsruhe intensiv mit den Chancen und Herausforderungen der Kooperation. 

Teilnehmende am Prälaturtag

Quelle: ekiba / Stefan Herholz - eingebettet von www.ekiba.de

„Wir haben das Motto bewusst mit einem Fragezeichen versehen“, sagte Prälatin Heide Reinhard zum Auftakt des Prälatur-Tages im Stephanssaal. „Die Bildung von Kooperationsräumen, die Bildung von Dienstgruppen ist herausfordernd und verändert auch das bisherige Arbeiten. Das ist nicht einfach, weil wir vielfältig und bunt unterwegs sind. Die Zusammenarbeit kann jedoch auch eine Chance sein. Wo sie gelingt, kann sie Lust machen.“
 
Die Voraussetzungen für ein Gelingen von Teamarbeit skizzierten anschließend die Theaterwissenschaftlerin Susanne Braun und Pastor Gunter Schendel vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD in ihren Impulsvorträgen. 
Susanne Braun nahm das Plenum mit in die Welt der Filmschaffenden. Diese sei zwar einerseits stark hierarchisch geprägt, funktioniere aber dennoch nur im Team. Braun nannte vier zentrale Bedingungen, die aus ihrer Sicht für gute Teamarbeit entscheidend seien: eine eindeutige Rollenverteilung, eine klare Aufgabenverteilung, eine offene Kommunikation und Motivation.
 
Auch der Theologe Gunter Schendel betonte, dass jede Teamentwicklung an vier
Theaterwissenschaftlerin Susanne Braun,  Pastor Gunter Schendel
Theaterwissenschaftlerin Susanne Braun (Mitte), Pastor Gunter Schedel und Moderatorin Juliane Lange (links)

Quelle: ekiba / Stefan Herholz - eingebettet von www.ekiba.de

 Punkten vorbeiführe: an der Zielorientierung, an der Aufgabenbewältigung, an der Zusammenarbeit und der Verantwortungsübernahme. 
„Nutzen Sie all die Vielfalt in ihrem Team“, lautete Schendels erster Rat. Des Weiteren sei es wichtig, „sich gegenseitig schön zu spielen“. Das bedeute, sich im Team gegenseitig die großen Auftritte zu gönnen und dabei zu unterstützen. Drittens sei es wichtig, „die Elefanten im Raum zu sehen:  Macht und Hierarchie“. Insbesondere Statusunterschiede, Rollenverständnisse und Berufskulturen müsse der Blick gelten. Nicht zuletzt sei es entscheidend, kein Team zu überschätzen und zu überfordern. „Teams sind nicht das Reich Gottes. Teams sind Aufgaben orientierte Gruppen“, sagte Schendel und betonte: „Teamarbeit ist kein Einsparmodell. Teams brauchen Zeit und Ressourcen.“ Der Teamweg lohne sich dennoch, weil „in einer Umbruchzeit der Kirche eine neue Art entdeckt wird, Gemeinde zu verstehen.“
 
Bei der Bildung von verpflichtenden Teams sei aus seiner Sicht entscheidend, dass der Nutzen für Teilnehmende erkennbar ist. Dafür benötige es eine Kommunikation über Beispiele. „Es braucht Geschichten aus Teams, keine Hochglanzgeschichten, sondern realistische. Man braucht ein Gefühl dafür, nicht allein unterwegs zu sein. Man muss sehen, welche Teams sind schon unterwegs, was bereits gelingt.“
 
Die große Herausforderung sei, dass „wir als Kirche an einem Punkt sind, an dem wir mit dem bisherigen System an Grenzen stoßen. Kooperation und Teambuilding sind ein Kompensationsversuch für wegfallende Arbeitskraft“. Schendel erklärt: „Das stößt an Grenzen. Damit sind wir an der eigentlich relevanten Frage angelangt: Wie wollen wir Kirche in Kooperationsräumen gestalten?“ 
Um mögliche Antworten auf diese Frage zu finden und neue Impulse für die Arbeit in den Kooperationsräumen sowie den Dienstgruppen zu erhalten, schloss sich am Nachmittag ein umfangreiches Workshop-Angebot an. 
 
„Wir leben von einer Vision, die über das hinausgeht, was uns heute möglich erscheint“, betonte Landesbischöfin Heike Springhart in ihrer Predigt des abschließenden Gottesdienstes. „In der Gemeinschaft der Hoffenden und ganz konkret im Team in den Dienstgruppen wird es möglich, einander zu stützen und zu inspirieren. Raum dafür, dass Ideen wachsen und das Verrückte und Unvermutete passieren kann. Teamarbeit kann zu einem Raum werden, in dem nicht nur gemeinsame Aufgaben bewältigt werden, sondern auch Raum für Gottes Gegenwart und Führung entsteht.“
 
  

Stefan Herholz

Pressesprecher / Bereichsleitung Presse und Öffentlichkeitsarbeit