Vorwürfe der sexualisierten Gewalt: Mögliche Betroffene gesucht

- 19.09.2024 - 

Evangelische Landeskirche in Baden unterstützt Aufarbeitung der Evangelischen Kirche im Rheinland

Karlsruhe, (19.07.2024). In Zusammenhang mit einer institutionellen Aufarbeitung unter wissenschaftlicher Begleitung zu sexualisierter Gewalt an zwei Kindern bzw. Jugendlichen durch einen verstorbenen Kirchenmusiker, die die Evangelischen Kirche im Rheinland gemeinsam mit drei Kirchenkreisen startet, bittet auch die Evangelische Landeskirche in Baden mögliche Betroffene, sich zu melden. Die bisher bekannten Fälle ereigneten sich in den 1960er und 1970er Jahren im Rheinland. Der Mann war nach einem Umzug von Mitte der 1980er Jahre bis 2012 als Organist im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald tätig.

Die Evangelische Landeskirche in Baden unterstützt ausdrücklich die Aufarbeitung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Schon vor dem heutigen Aufruf gab es einen Austausch zwischen den beiden Landeskirchen. Seitdem wird gemeinsam in dem Fall recherchiert. 
Der verstorbene Kirchenmusiker war von Mitte der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre nebenamtlich als Organist in der Kirchengemeinde Löffingen tätig. Später arbeitete er von 1997 bis 2012 ehrenamtlich als Organist in der Kirchengemeinde Bickensohl. Aus dieser Zeit liegen der Evangelischen Landeskirche in Baden bisher keine Vorwürfe der sexualisierten Gewalt gegen den Mann vor.
 
Dem 2019 verstorbenen Kirchenmusiker, der von 1964 bis 1986 als Kantor und Chorleiter in Kirchengemeinden der evangelischen Kirchenkreise Düsseldorf, Leverkusen und Moers tätig gewesen ist, wird im Rahmen seiner kirchlichen Tätigkeit in zwei Fällen sexualisierte Gewalt an Kindern bzw. Jugendlichen vorgeworfen. Der Beschuldigte war wegen sexualisierter Gewalt an Schulkindern in den frühen 1960er Jahren einschlägig vorbestraft worden.
 
Betroffene von sexualisierter Gewalt können sich kostenlos und anonym an folgende Stellen wenden:
 
Vertrauenstelefon: Seit 2010 ist das Vertrauenstelefon etabliert, über das anonym Kontakt aufgenommen werden kann, von einem Erstkontakt bis hin zu längerer Begleitung. Das Vertrauenstelefon wird von Dr. Wiebke Müller, Diplom‐Pädagogin und systemische Supervisorin (SG/DGfP) betreut. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Begleitung und Beratung von Menschen in Krisen. Dr. Wiebke Müller untersteht der Schweigepflicht und klärt mit den Anrufenden, welche weiteren Schritte eingeleitet werden können, wenn diese es wünschen. Sie steht unter der Telefonnummer 0800 5891629 oder unter der Mailadresse zum Gespräch zu Verfügung. 
 
Ansprechstellen: Eine weitere Kontaktmöglichkeit bietet die landeskirchliche Ansprechstelle im Evangelischen Oberkirchenrat. Personen, die nicht sicher sind, wie sie eine Situation einschätzen sollen, oder selbst betroffen sind, können sich an die Ansprechstelle wenden. Die Gespräche in der Ansprechstelle sind vertraulich, die Mitarbeitenden sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Ansprechstelle steht daneben insbesondere Rechtsträgern zur Verfügung, die eine Beratung auch zu organisatorischen Fragen wünschen. Die Ansprechstelle ist unter oder unter 0721 9175 626 erreichbar. 
 
Zentrale Anlaufstelle.help: Die EKD hat diese Stelle eingerichtet, die unter 0800 5040112 oder per Mail unter zu erreichen ist. Sie soll es insbesondere den Betroffenen erleichtern, einen Ansprechpartner zu finden, die sich nicht in den Landeskirchen melden wollen, in denen ihnen Leid zugefügt worden ist. Die Anlaufstelle wird von einer unabhängigen Beratungsorganisation (Heilbronner Fachberatungsstelle bei sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt) unterhalten.
 
  

Stefan Herholz

Pressesprecher / Bereichsleitung Presse und Öffentlichkeitsarbeit