„Herzlichkeit, Schwung und tiefes Vertrauen“ - Gedenkgottesdienst für Landesbischof i.R. Ulrich Fischer in der Karlsruher Stadtkirche

Karlsruhe, (10.12.2020). Mit einem Gedenkgottesdienst in der Stadtkirche Karlsruhe hat die badische Landeskirche am heutigen Donnerstag (10.12.) des früheren Landesbischofs Ulrich Fischer gedacht. Die Predigt hielt Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

von links nach rechts: Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, die frühere Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD)

Quelle: Ulli Naefken / ZfK - eingebettet von www.ekiba.de

Bedford-Strohm erinnerte in seiner Predigt an ”die theologische Leidenschaft und Besonnenheit, die authentische Energie und die segensreiche Wirksamkeit" Ulrich Fischers, die über Baden hinaus in die Evangelische Kirche Deutschlands ausgestrahlt habe. Als „Medienbischof“ habe Fischer das Gemeinschaftswerk Evangelischer Publizistik über viele Jahre geprägt. „Ihm ist es immer darum gegangen, das Evangelium öffentlich zu machen, seine Relevanz über den Bereich des Privaten in die Öffentlichkeit deutlich zu machen und auch die Orientierungskraft des Evangeliums in den öffentlichen Debatten zur Geltung zu bringen“ würdigte der Ratsvorsitzende. Ein wichtiges Anliegen sei Fischer auch das Zusammenwachsen der beiden großen Kirchenbünde in der EKD gewesen, der Union Evangelischer Kirchen und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands.

Der Ratsvorsitzende zeigte sich „sehr beeindruckt“ von Fischers „Dankbarkeit und Freude an der ihm geschenkten Zeit“, grade auch während dessen Krebserkrankung in diesem und im vergangenen Jahr. „Ich habe das Gefühl gehabt, dass das an ihm wahrgeworden ist: Gott hat ihn auch in der schweren Zeit seiner Krankheit mit seinen Engeln auf der Erde behütet und ihm ein Vertrauen, eine Zuversicht, und selbst im Angesichte des möglichen Endes noch eine Dankbarkeit geschenkt“, sagte Bedford-Strohm. Er zeigte sich gewiss: „Das herzliche Lachen von Ulrich Fischer, das wird zu hören sein. Und Gott wird sich in seiner ganzen Ewigkeit von Herzen daran freuen.“

Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh erinnerte im Gottesdienst an Fischer als einen Menschen, der „unsere Landeskirche nachhaltig geprägt hat, mit seiner Herzlichkeit, seinem Schwung und dem tiefen Vertrauen, das er ausstrahlte“. Am Herzen gelegen habe Fischer der Einsatz für die Ökumene, Frieden, Gerechtigkeit und insbesondere für die Bewahrung der Schöpfung. Viele Menschen erinnerten sich daran, wie der frühere Bischof sie mit „seinem klugen und weltzugewandten Glauben gestärkt und mit seiner Theologie bereichert hat, wie seine Freundlichkeit und sein Lachen sie mitgerissen hat und wie seine Musikalität Freude verbreitete.“
 
Aufgrund der Erkrankung von Synodalpräsident Axel Wermke wirkte die frühere Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein im Gottesdienst mit. Sie war langjährige Wegbegleiterin Ulrich Fischers. Musikalisch wurde der Gottesdienst gestaltet vom CoroPiccolo und einem Blechbläserensemble. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Gedenkgottesdienst unter strengen Hygieneauflagen gefeiert, die Zahl der Teilnehmenden war daher leider stark begrenzt. Im Internet ist der Gottesdienst unter www.youtube.com/ekibatv abrufbar.

Ulrich Fischer wurde am 11. Februar 1949 in Lüneburg geboren. Nach dem Wehrdienst studierte er Theologie in Göttingen und Heidelberg. Nach der Promotion und Lehr- und Pfarrvikariat in Sandhausen war Fischer von 1979 bis 1989 Pfarrer in Heidelberg-Kirchheim. Von 1989 bis 1995 war Fischer Landesjugendpfarrer, vor der Wahl zum Landesbischof 1998 stand er als Dekan an der Spitze des Kirchenbezirks Mannheim. 2009 wurde Fischer in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Er war unter anderem Vorsitzender des Aufsichtsrats beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP). Von 2003 bis 2013 hatte er zudem den Vorsitz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) in der EKD inne. 2011 arbeitete Fischer als Vertreter der evangelischen Kirche in der Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“ der Bundesregierung mit. Ulrich Fischer verabschiedete sich zum 1. Juni 2014 – nach 16 Jahren als Landesbischof – in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Jochen Cornelius-Bundschuh, der am gleichen Tag eingeführt wurde.

In seinem Ruhestand übernahm Fischer den ehrenamtlichen Vorsitz des Vertrauensrats der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste und wurde für die Posaunenarbeit Landesobmann in Baden und Vorsitzender des Evangelischen Posaunendiensts in Deutschland, dem Dachverband für 117.000 evangelische Blechbläser und -bläserinnen. Im Ruhestand lebte der mehrfache Großvater Fischer mit seiner Ehefrau auf dem Reiterhof einer seiner drei Töchter in Neulußheim. Einen tiefen Einschnitt in sein Leben bedeutete die Diagnose eines Gehirntumors im Vorjahr.
 
Ulrich Fischer starb am 21.10.2020 im Alter von 71 Jahren. Der Trauergottesdienst fand am 27.10.2020 in der Kirche von Neulußheim (Rhein-Neckar-Kreis) statt.
 
  

Dr. Daniel Meier

Ehemaliger Pressesprecher der Landeskirche (2012-2023)
 

 
Lesen Sie hier die Trauerpredigt für Landesbischof i. R. Ulrich Fischer vom EKD-Ratsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm:

Quelle: Heinrich Bedford-Strohm - eingebettet von www.ekiba.de

 
 
Den Gedenkgottesdienst für Landesbischof i.R. Ulrich Fischer können Sie hier online nachfeiern.
 
Während des Deutschen Posaunentages 2016 in Dresden war Ulrich Fischer Vorsitzender der Evangelischen Posaunenarbeit in Deutschland und hat dieses Ereignis maßgeblich mitgeprägt. Sehen Sie hier eine Aufnahme von "Der Mond ist aufgegangen": https://youtu.be/6anb_OhX2rk.