Gedenken an einen mutigen Helfer der Verfolgten
Hermann-Maas-Gedenkjahr wird eröffnet
„Als Landeskirche schauen wir dankbar auf das Leben und Wirken von Hermann Maas. Er suchte schon früh die Beziehung zum Judentum - persönlich wie auch theologisch“, so Oberkirchenrätin Cornelia Weber, welche die Predigt zum Eröffnungsgottesdienst halten wird. „Maas war einer der wenigen Pfarrer, der in der Zeit des Nationalsozialismus für verfolgte Juden und Judenchristen eingetreten ist und konkret geholfen hat. Selbst in der Zeit des Dritten Reichs hat er die jüdischen Wurzeln unseres christlichen Glaubens nicht verleugnet.“
Der evangelische Pfarrer Hermann Maas (1877-1970) wurde in der Zeit des Nationalsozialismus zum Helfer und Retter für zahllose Jüdinnen und Juden, 1944 wurde er dafür von der SA zur Zwangsarbeit ins Elsass deportiert. Am 27. September 2020 jährt sich der Todesstag des früheren Heiliggeistpfarrers zum 50. Mal.
„Ich bewundere an Hermann Maas den Mut, Verfolgten zu helfen und sich auch in schwierigsten Zeiten für ein gutes jüdisch-christliches Zusammenleben einzusetzen“, erklärt Vincenzo Petracca, derzeitiger Pfarrer an der Heidelberger Heiliggeistkirche. „Gerade angesichts des erschreckenden Antisemitismus in unserem Land fragen wir in diesem Jahr nach der Bedeutung von Hermann Maas für uns heute.“
Zwei weitere Gottesdienste im Rahmen des Hermann-Maas-Jahres könne man sich gleich vormerken, so Petracca: Am 1. März wird im Gottesdienst gleich an zwei „evangelische Grenzgänger“ erinnert: Zum 75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer und zum 50. Todesjahr von Hermann Maas werden beide im Gottesdienst thematisiert. Und am 20. Oktober findet – ebenfalls in der Heiliggeistkirche – ein Gedenkgottesdienst zur Verleihung des Hermann-Maas-Preises sowie zum 80. Jahrestag der Deportation badischer Jüdinnen und Juden nach Gurs statt.
Zu Leben und Wirken von Hermann Maas wird es das ganze Gedenkjahr hindurch eine Dauerausstellung im Raum der Heiliggeistkirche zu sehen geben. Neben neun Rollups sollen auch Gegenstände aus dem Leben des evangelischen Theologen gezeigt werden.
Von 1. März bis 3. April gibt es außerdem eine Fotoausstellung „Die Entgrenzung der Heiliggeistkirche“. Die Installation erinnere fotografisch-künstlerisch daran, dass Hermann Maas sich dafür eingesetzt habe, die Mauer, die in der Heiliggeistkirche eine katholische und eine evangelische Seite voneinander getrennt hatte, wieder einzureißen, so Pfarrer Vincenzo Petracca.
Eine kreative Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht bietet schließlich am 15. Mai ein Tanztheater. Hier werden Flüchtlingsgeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg aber auch eine aktuelle Flüchtlingsgeschichte aus Syrien getanzt, erzählt und musikalisch dargestellt.
Diese und weitere Veranstaltungen, Ausstellungen etc. im Hermann-Maas-Jahr finden Sie unter citykirche-heiliggeist.de.



