Abschied von Dekan i.R. Werner Schellenberg, der am Pfingstsonntag im Alter von 89 Jahren friedlich eingeschlafen ist.
Die Familie hat ihn im engsten Familienkreis beigesetzt. Der Trauergottesdienst fand am Samstag 8. Juni 2024 Uhr statt.
Dekan i.R. Werner Schellenberg
Er wird fehlen

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.
Hiob 19,25
Der Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz trauert um
Dekan i.R. Werner Schellenberg
19.02.1935 Pfingsten 2024
Werner Schellenberg war Dekan des Kirchenbezirks von 1976 bis 1999.
Wir sind sehr dankbar für den vielfältigen Dienst, die Zeit und die Liebe,
die Werner Schellenberg seiner Kirche geschenkt hat.
Wir trauern mit seiner Familie.
Katharina Treptow-Garben, stellvertretende Dekanin Christine Wolf, Schuldekanin
Werner Schellenberg wurde am 19. Februar 1935 in Heppenheim an der Bergstraße geboren, kam aber schon als Neunjähriger nach Lahr und wurde dort auch 1949 in der Stiftskirche von Dekan Albert Zeilinger konfirmiert. Sein Konfirmandenunterricht und die Jahre in der Evangelischen Jugend, im Lahrer BK, führten schon 1951 zum Entschluss, Theologie zu studieren und Pfarrer werden zu wollen.
1954 begann sein Studium an der Universität Heidelberg und in Göttingen. 1956 wechselte Schellenberg nach Basel zu Karl Barth, den er Zeit seines Lebens verehrt hat: „In Vorlesungen, Seminaren und in der exklusiven Soziät lernte ich den großen, auch streitbaren, uns Studenten stets freundlich zugewandten Theologen persönlich kennen. Mit seiner ,Kirchlichen Dogmatik’ prägt er mein theologisches Denken und Wirken bis heute“, sagte der langjährige Dekan im Gespräch mit der Schwetzinger Zeitung zum 60. Ordinationsjubiläum vor drei Jahren.
1958 kehrte Schellenberg zurück nach Heidelberg zur Vorbereitung auf das erste Theologische Examen. Danach war er drei Monate Lehrvikar bei Pfarrer Erwin Hoffmann in Schwetzingen. Da hatte er schon seine Frau Renate kennengelernt, die ihn bis zuletzt begleitet hat und die immer Teil seines Teams war. Dem zweiten Theologischen Examen folgte am 22. Oktober 1961 in der Lahrer Stiftskirche die Ordination (Ernennung zum Priester) durch seinen Konfirmator Albert Zeilinger. Seine erste Stelle danach war die des Pfarrvikars in der Christuskirche in Karlsruhe. Im Sommer 1962 wurde geheiratet und im Mai 1963 zog die kleine Familie an den Bodensee, Schellenberg übernahm die neu gegründete Diasporapfarrei Allensbach-Bodanrück. Dort kamen die vier Kinder auf die Welt.
1969 kam der Ruf von Landesbischof Dr. Wolfgang Heidland nach Karlsruhe zum Landesjugendpfarrer und Leiter des Amtes für Jugendarbeit im Evangelischen Oberkirchenrat. Die folgenden sieben Jahre waren geprägt durch viele Reisen, Auswärtsaufenthalte, getrennt von der Familie im In- und Ausland. Im Jahr 1976 dann die Rückkehr in unsere Region, die fortan zur Heimat der Schellenbergs werden sollte. Die Wahl zum Dekan des Kirchenbezirks Oberheidelberg und Pfarrer der Melanchthongemeinde in Schwetzingen blieb seine längste Amtszeit:
23 Jahre war er in Schwetzingen Seelsorger – bis in den Herbst 1999. Familien- und Seniorenarbeit, besondere Gottesdienste im Melanchthonhaus wie am Ostermorgen um 6 Uhr mit anschließendem Osterfrühstück oder an Silvester um 23 Uhr beim Jahreswendegottesdienst mit Abendmahl und anschließendem Beisammensein, Taizégottesdienste und Sommerfeste im Park bleiben unvergessen.
Am Herzen lag Schellenberg die diakonische Arbeit: Seit 1983 bis 2011 war er Vorsitzender des Evangelischen Diakonievereins als Träger des Johann-Peter-Hebel-Alten- und Pflegeheims und des neugebauten Hebelhauses in der Hildastraße. Von 1984 bis 96 war er Mitglied der Landessynode, von 1990 bis 96 Vizepräsident und Mitglied des Landeskirchenrates. 1988 wurde der große Kirchenbezirk Oberheidelberg geteilt in die Bezirke Schwetzingen und Wiesloch. Er war Seelsorger aus Leidenschaft. Selbst im Urlaub: Da wirkte er als Urlauberseelsorger auf der Insel Hiddensee, betreute Gruppenreisen nach Israel und in die südeuropäischen Länder.
"Das Abschiednehmen von einem geliebten Menschen ist immer eine schwierige Sache. Selten gelingt das gut. Bei Werner Schellenberg, der an Pfingsten mit 89 Jahren zu Gott gerufen wurde, ist es gut gelungen. Im Januar konnte er Abschied nehmen von seiner geliebten Wohn- und Arbeitsstätte Melanchthonhaus, das er mit seiner Familie so lange mit Leben erfüllt hat.
Bei einem Kurzurlaub in der Pfalz waren nochmals alle vier Kinder mit ihren Familien dabei, mit den musikinteressierten Enkeln wurden vor wenigen Tagen noch Konzerte der Festspiele besucht und mit seiner lieben Frau Renate war er am Pfingstsonntag ein letztes Mal im Gottesdienst und im Schloss. Dann ist er abends daheim im Reihenhäuschen in Plankstadt friedlich eingeschlafen und einfach nicht mehr aufgewacht. Er wird fehlen."
Text: Jürgen Gruler Schwetzinger Zeitung vom 23.5.2024
Foto: das letzte Foto von Werner Schellenberg von Renate Schellenberg




