Würdiger Abschied vom Melanchthonhaus

Das Melanchthonhaus Schwetzingen wurde entwidmet. Zahlreiche Menschen aus der 60 jährigen Geschichte des Hauses verabschiedeten sich von "ihrem Gemeindehaus."

Stephan Hoffmann (v. l.), Sohn des früheren Dekans, Dagmar Zobel, Hans-Joachim Zobel (ehemaliger Dekan), Renate Schellenberg, Werner Schellenberg (ebenfalls ehemaliger Dekan), Prälatin Heide Reinhard, der frühere Schwetzinger Pfarrer Thilo Müller, Pfarrer Steffen Groß, Dekanin Annemarie Steinebrunner und Elfriede Fackel-Kretz-Keller, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats. © Andreas Gieser
Ein Entwidmungsgottesdienst wurde am vergangenen Samstag 20.1. im Melanchthonhaus Schwetzingen gefeiert.
"Ein würdevoller Abschied", wie Dekanin Annemarie Steinebrunner bemerkte.

„Hier haben Menschen Gott geantwortet in Gebet und Gesang, im Bekennen und im Schweigen“, sagte Pfarrer Steffen Groß zur Begrüßung: „Aber wir können angesichts schwindender Ressourcen nicht anders. Wir haben alles versucht und am Ende einsehen müssen: Es geht nicht mehr. Wir müssen das Melanchthon-Haus schließen.“

Dekan i.R. Werner Schellenberg erzählte,wie er seine neue Wirkungsstätte im Herbst 1976 angetroffen hat. Ihm habe der Namensgeber Philipp Melanchthon, der Theologe, Lehrer, der Versöhnende und Ökumeniker der Reformation gefallen: „In diesem Sinne wollte ich hier wirken.“ Schellenberg führte die Gottesdienstbesucher gedanklich vom Zugang von der Kurfürstenstraße über das Foyer in den lichtvollen Saal mit den großen Fenstern. „Hier wurden Gottesdienste und andere Feste gefeiert, hier waren die Treffen der Hauptamtlichen zum Pfarrkonvent, hier tagte die Bezirkssynode, hier wurde ich zweimal für zwölf Jahre zum Dekan gewählt, wie auch mein Nachfolger Achim Zobel.“ Ehepaar Zobel gehörte wie das Ehepaar Schellenberg zu den zahlreichen Gästen aus der Geschichte des Melanchthonhauses an diesem Abend.

"Wir haben hier keine bleibende Stadt, aber die zukünftige suchen wir“, Pfarrer Steffen Groß stellte seine Predigt unter das Wort aus dem Brief an die Hebräer. 
„Wo über Jahrzehnte, oft gar Jahrhunderte Menschen zusammenkommen, beten und singen, jubeln und trauern, beginnen die Mauern selbst zu predigen und erzählen von dem Gott, der bleibt, wenn alles andere seine Zeit gehabt hat und vergeht.“ Ein solches Haus gebe niemand gern her, bedauerte Groß. Aber die evangelische Kirche habe sich dramatisch verändert, nicht nur was die Finanzmittel betreffe. Man habe „radikal umdenken müssen“. Christsein sei „keine Wohlfühlveranstaltung“, aber wenn solche Herausforderungen und Prüfungen kämen, „müssen wir uns ihnen stellen.“

Prälatin Heide Reinhard sprach Worte zum Abschied bevor die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Elfriede Fackel-Kretz-Keller den Entwidmungsbeschluss vom Juli 2021 verlas. Die Kirchengemeinde werde „spätestens zum 31. Dezember 2023 die Nutzung des Sakralraumes und der Gemeinderäume im Melanchthon-Haus aufgeben“, sei damals bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme beschlossen worden. Der Antrag war vom evangelischen Oberkirchenrat angenommen worden. „Von nun an ist dieses Haus nicht mehr dem Gottesdienst gewidmet“, sprach Pfarrer Groß die Entwidmungsworte.

Die gemeinsame Abendmahlsfeier im Gemeindehaus war für alle Anwesenden Trost bei  diesem schwierigen  Abschied.
Danach wurden die Altarkerzen gelöscht, die Osterkerze blieb brennen.  An der Wand hinter dem Altar erinnerte eine Fotopräsentation an fast sechs Jahrzehnte Geschichte des Melanchthon-Gemeindezentrums.

Der Altar wird künftig in der Stadtkirche stehen. Die Teller für das Brot und die Kelche für den Wein gehen mit. Die Orgel hat die römisch-katholische Gemeinde Karlsruhe-Alb-Südwest gekauft. Der Flügel findet seinen Platz künftig in der Stauffenberg-Schule in Heidelberg. Der segnende Christus über dem Altar soll eine neue Stelle im Lutherhaus oder in der Stadtkirche bekommen. Was aus dem Ambo, dem Taufstein, dem Ständer der Osterkerze und dem Bild von Heinz Friedrich wird, ist noch nicht klar.

Wir haben Abschied genommen. Gott schenkt uns einen neuen Anfang. Das Leben unserer Kirchengemeinde geht an anderen Orten weiter. Unsere Gemeinde verliert ein Haus, aber nicht ihre Verheißung“, so Steffen Groß beim abschließenden Segen.
Bei Wein, Saft und einem Imbiss gab es noch lange die Gelegenheit für Erinnerungen und Erzählungen. 

Text: Zusammenstellung aus dem Artikel der Schwetzinger Zeitung vom 22.1.2024
von Volker Widdrat - siehe unten

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