Religionsunterricht in Bewegung

Ökumenischer Religionspädagogischer Tag mit Elisabeth Buck am 21.4.2023 in Schwetzingen

  

Ökumenischer Religionspädagogischer Tag - nach drei Jahren endlich wieder analog mit Begegnung und in Bewegung
 

"Es ist so schön, nach drei Jahren in einer so großen Runde wieder in ihre Gesichter zu schauen." begrüßte Schuldekanin Christine Wolf zusammen mit  Schuldekan Bernard Sauer die Teilnehmenden beim Ökumenischen Religionspädagogischen Tag im Josefshaus Schwetzingen.
Mit einem Morgenlob begann die Veranstaltung, bei der auch Schulamtsdirektor Frank Schäfer "wie immer"  nicht fehlen wollte. Er dankte für diese "Zeit der Entspannung", wie er die Andacht nannte. Eine Zeit, die man sich nehmen müsse, gerade nach den Herausforderungen der letzten Jahre. Schulen müssten dafür Raum bieten; offen sein für Gespräche. Gerade der Religionsunterricht sei eine Möglichkeit, um sich öffnen zu können für Schülerinnen und Schüler.

"Bei ihnen schlägt das auf, was die Pandemie an Spuren hinterlassen hat." 
 
Die Welt von Kindern und Jugendlichen sei von einem Tag auf den anderen auf den "Kopf gestellt worden". Durch fehlende Tagesstruktur und soziale Kontakte wurden bei einigen Kindern - vor allem im Grundschulbereich - Entwicklungsverzögerungen
beobachtet, die teilweise bis zu 4 Jahre betragen. "Sie können in einem 3. Schuljahr den Entwicklungsstand von 4 Jährigen und 8 jährigen beobachten." Auch die Integration von Kindern ohne Deutschkenntnisse führe häufig an Grenzen, die Lehrerinnen und Lehrer mit hohem Engagement bewältigen würden. Besonders der Religionsunterricht biete Raum, um Vertrauen zu schaffen.
Er dankte den beiden Schuldekan:innen für die gute pragmatische Zusammenarbeit.
 
"Dank dieser beiden Personen lassen sich Probleme lösen", erzählte er den anwesenden Religionslehrerinnen und - lehrern, denen er ebenso für ihr Engagement herzlich dankte.
 
Nach Morgenlob und Begrüßung dauerte es keine fünf Minuten und der Saal war in Bewegung dank der Referentin Elisabeth Buck.

 

Religionsunterricht in Bewegung


Elisabeth Bucks Vortragsweise macht deutlich, was sie darunter versteht.
Wir lernen nicht nur mit Kopf, Herz und Hand.
"Das würde ja dann hier aufhören", sagt sie schmunzelnd mit einer Hand am oberen Bauch. "Stehen Sie einmal auf, Lernen geschieht auch mit den Füßen. Unterricht in Bewegung ist laut, da entsteht Unruhe, die klare Regeln braucht.  Und das üben wir jetzt."
Elisabeth Buck stellt Fragen zum Kennenlernen, motiviert zum Aufstehen, Umhergehen, bildet kleine Gruppen mit Aufgaben: Es werden imaginäre Sofas getragen oder sich vor einem "Regen in Sicherheit gebracht".
Jede belebte Unruhephase beendet sie mit einem "roten Tuch" und einem gleichlautenden Satz: "Schluss, aus, vorbei, zurück auf den Platz, du bist dabei."
"Wenn Sie das oft praktizieren, wird der Satz bald nicht mehr nötig sein", ruft sie in die Menge.
Elisabeth Buck trägt nicht vor, sie bewegt ihre Themen und Inhalte direkt im Raum. Sie kennt die Fragen, die entstehen und hat sie mit langjähriger Praxis als Musikpädagogin theoretisch aufgearbeitet.
 
Sie nennt ihre Methoden und Ansätze einen Mantel, den sich die Teilnehmenden erst einmal umhängen sollen.
"Vielleicht passt der Ärmel nicht oder sie wollen andere Knöpfe annähen. Dann machen Sie das. Nichts, was ich Ihnen heute zeige ist bereits fertig.
Alles, was ich heute mit Ihnen tue, kann man auch ganz anders machen."

Alles was Elisabeth Buck tut ist aber durchdacht und sowohl theoretisch wie theologisch begründet.
Für sie ist  Glaube dynamisch, und Gott einer in Bewegung.
Kindern werde oft durch Eltern und Öffentlichkeit das Bild eines statischen Gottes vermittelt: Der Ort Gottes sei die Kirche, Gott stehe für fest zementierte moralische Verhaltensweisen, die oft ein Synonym für bürgerliche Anstandsregeln darstellen. "Im bewegten Religionsunterricht dagegen werden die Kinder mit einem dynamischen Glauben in Kontakt gebracht, der das Leben in Bewegung bringt. Er will den Spielraum dafür bieten, dass im Ineinandergreifen von Körperbewegung, Sprache und sozialer Kommunikation persönliche Einstellungen über Gott und uns in Bewegung gebracht werden können."
Elisabeth Buck zeigt eindrücklich eine Mixtur aus Methode erleben und dabei Theorie lernen.

Sie nimmt die Anwesenden mit in die Mosegeschichte im Alten Testament, übt die einzelnen methodischen Schritte und plaudert wie nebenbei, was die Theorie des "Bewegten Religionsunterricht" bedeutet.
Da werden mit den Sklaven in der Geschichte "Fronarbeiten" verrichtet,  "Ziegelsteine" mit eigenen Themen beschwert und weiter gereicht. Lieder werden gesungen, Sätze wiederholt, Bewegungen eingeübt;
um gleich danach in Ruhe sich Zeit für Rückfragen zu nehmen, wie das Erlebte kindgemäß umgesetzt werden kann.

 
Ein Seminartag mit Elisabeth Buck ist bewegter Religionsunterreicht für Lehrkräfte.
 
"Da Menschen nicht anders können, als sich mit Vorstellungen von Gott leiblich-sinnlich zu befassen, und da biblische Texte davon berichten, dass Gott Menschen in ihrer leiblich-sinnlichen Welt begegnet, ist es inhaltlich und fachlich begründet, diesen leiblich-sinnlichen Bezügen in Bewegten
Religionsunterricht nachzuforschen."
 

Das gilt wohl auch für die Theorie des Bewegten RU, die Lehrkräfte in Bewegung brachte beim Ökumenischen Religionspädagogischen Tag 2023:
Einem Forschertag voller Lachen, Sinnieren, sich aufeinander einlassen und in Bewegung sein.




  
 
Herzlicher Dank an alle Beteiligten an Materialständen und Verpflegung und die Referentin Elisabeth Buck

 
Text und Fotos: Elke Piechatzek