Und ich wünsche Ihnen das Vertrauen der Hagar, die bekennt:
Du bist ein Gott, der mich sieht.
Jahreslosung 2023, Gen 16,13
Nach der wundersamen Engelbegegnung spricht Hagar diese Worte.
In die Wüste geflohen, herausgefallen aus der Großfamilie, weiß sie nicht, ob sie schwanger überleben wird. Kein Ansehen gefunden als Leihmutter, die Eifersucht Sarahs wog stärker als die Zuneigung Abrahams zu ihr und dem ungeborenen Kind.
Doch ihr Aufenthalt an der Wüstenquelle wird bemerkt, Gott sendet seinen Engel mit einer wunderbaren Verheißung, die Rettung für sie und das Ungeborene verspricht. Hagar hat Ansehen gefunden. Die Ägypterin dankt dem fremden Gott mit diesem ihrem Bekenntnis.
Und findet den Mut, ihren Weg zu gehen, im Angesicht Gottes.
Eine ‚Mutmach-Geschichte‘ – wir können sie so gut gebrauchen. Gerade nach dem letzten Jahr. Viele Seelen haben ihre je eigene Wüste erlebt, durch die Krisen und Katastrophen der letzten Monate. Wo auftanken? Wo Sehnsucht stillen? Wo Veränderung erleben?
Wohin mit allen Fragen und Sorgen? Wem vertraue ich mich an? Wessen Trost kann ich spüren?
Die Gottesengel sind auch heute noch unterwegs – und wir wissen es ja: es müssen nicht Männer mit Flügeln sein – gerade die Alltagsengel zeigen so viel Gottesangesicht, dass so manche Seele satt und gesund wird. Und Gott im Nächsten gefunden hat. Wie gut, dass Sie immer wieder in den Schulen und Kindergärten, in den Gemeinden und Bildungseinrichtungen zu Engeln werden und selbst auch Ihre Engel erfahren dürfen.
Gott sieht Sie, sieht uns und begleitet unsere Wege!
Dieses glaubende Wissen gehört zu unserem religiösen Leben, gibt ihm Form und Halt, erzeugt einen Raum, der hoffentlich einladend andere anspricht.
Hartmut Rosa, Professor für Soziologie an der Universität in Jena, hat in einem kleinen, feinen Büchlein* deutlich gemacht, welchen Beitrag unsere Religion - unser Leben im Angesicht Gottes - für unsere Gesellschaft leistet. „Demokratie braucht Religion“ – so überschreibt er seine Ausführungen. Und ermuntert uns, deutlich und engagiert unsere Religion zu leben und sie ins gemeinschaftliche Miteinander einzubringen, als ‚hörendes Herz‘ sozusagen.
Ich wünsche Ihnen in den kommenden Monaten immer wieder Situationen, die auch Ihnen zeigen, wie angesehen Sie bei Gott sind!
Wann immer nötig, brechen Sie auf zu Ihren Lebensquellen und erfahren Sie den Trost der alten Worte: Gott ist ein Gott, der Sie sieht!
Mit herzlichen Grüßen
gez.
Christine Wolf
*Hartmut Rosa, Demokratie braucht Religion, Über ein eigentümliches Resonanzverhältnis, München 2022, 3. Auflage
Die "Mitteilungen aus dem Schuldekanat" und die Informationen zum "Ökumenischen Religionspädagogischen Tag" können Sie hier herunterladen: