11.Vollversammlung ds Ökumenischen Rates

Landesbischof i.R. Prof.Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh veröffentlicht auf Facebook seine Eindrücke von der Vollversammlung des Weltkirchenrates:

"Vor wenigen Tagen ist in Karlsruhe die 11. Vollversammlung des Weltkirchenrates zu Ende gegangen. Delegierte aus 350 Kirchen haben miteinander beraten und gelacht, gestritten und gebetet, gesungen und sogar getanzt. Sie repräsentieren 500 Millionen Christinnen und Christen in aller Welt und treffen sich nur alle sieben Jahre; dieses Jahr zum ersten Mal in Deutschland.
Das Motto des Treffens lautete: CHRISTI LIEBE BEWEGT, VERSÖHNT UND EINT DIE WELT!

Jede Veranstaltung, jede Begegnung in Karlsruhe war geprägt von der Frage: Was können wir aus dieser Liebe heraus zu den Krisen dieser Welt sagen: zum russischen Überfall auf die Ukraine; zu den Schrecken der Pandemie, mit ihren sozialen, aber auch psychischen Folgen, vor allem für junge Menschen weltweit; zum Thema Klimagerechtigkeit – in Karlsruhe waren viele Kirchen aus Regionen vertreten, in denen die Menschen schon jetzt massiv unter den Folgen des Klimawandels leiden.

Wichtig war, dass auch die zu Wort kamen und Gehör fanden, von deren Bedrängnis wir in Deutschland sonst kaum etwas hören: Indigene aus Costa Rica und aus Skandinavien, Kirchen aus West-Papua, syrische Christinnen und Christen, Menschen aus Berg-Karabach. Sie machten deutlich, wie sehr die Menschenrechte in ihrer Region durch Gewalt und Ungerechtigkeit bedroht sind und wie massiv autoritäre Staaten das Leben der Zivilgesellschaft einschränken, die Religionsfreiheit missachten und auch Christinnen und Christen verfolgen. Aber sie sangen, lachten und feierten auch mit uns – und ließen uns an Ihrem Glaubensmut teilhaben.

CHRISTI LIEBE BEWEGT, VERSÖHNT UND EINT DIE WELT!
Wenige Worte führen uns in die Mitte unseres Glaubens: Gott ist die Liebe – und da, wo die Liebe Christi auflebt, da finden wir Gott! Da finden wir aber auch unseren Auftrag, die Liebe Christi in die Konflikte hineinzutragen und unseren „lebendigen Planeten“ im Geist der Liebe gerechter und nachhaltiger zu gestalten. Dazu ruft die Botschaft aus Karlsruhe auf, die zum Abschluss verabschiedet wurde. Sie ist „ein Ruf gemeinsam zu handeln“:
HÖRT EINANDER ZU UND VERLIERT EUCH NICHT AUS DEN AUGEN! ÜBERWINDET DIE GEWALT UND FÖRDERT ZIVILE KONFLIKTLÖSUNGEN! SUCHT EINE NEUE GERECHTIGKEIT IM UMGANG MIT GOTTES SCHÖPFUNG!
Dass das möglich ist, darum haben die Delegierten in den Debatten mit Leib und Seele gerungen und in den vielen Gottesdiensten gebetet. Und immer wieder haben sie nach den Erfahrungen gefragt, die die badische und die elsässischen Kirchen in dieses Treffen eingebracht haben: die Schrecken zweier Weltkriege, an die bis heute erinnert werden muss – und dass doch Versöhnung möglich war und Freundschaft über Grenzen wachsen kann.
Bruder Alois aus Taizé hat uns am Ende seines Grußwortes gemeinsam singen lassen: UBI CARITAS, IBI DEUS EST! Das Lied traf den Ton der Versammlung und klang lange nach. Mehrfach haben es die Delegierten noch gesungen, sich von Gottes Zusage tragen lassen und daraus Kraft geschöpft, sich ihren und fremden Konflikten zu stellen und sie im Geist der Liebe Christi hoffnungsvoll mitzugestalten.
 
 
 
 
 
Jochen Cornelius Bundschuh