Stellungnahme von Dekanin Annemarie Steinebrunner zum Thema "Kirchenaustritte"
auf eine Anfrage der Wieslocher Woche
Bei allen Schwierigkeiten zuversichtlich

Die derzeit enorm hohe Zahl an Kirchenaustritten hat sicher viel mit neuen Enthüllungen zu Missbrauchsfällen zu tun, die mich und viele andere bestürzt und fassungslos machen. Damit einher geht ein so großer Vertrauensverlust, dass der Weg voran nur eine transparente Aufarbeitung und Offenheit und Veränderungswille bedeuten kann.
Katholische und evangelische Gemeinden leiden gleichermaßen darunter, wenn Menschen aus den Kirchen austreten. Schon seit längerer Zeit nehmen die Austritte zu aus unterschiedlichen Gründen. Das kann uns nicht egal sein, denn es wäre für unsere Gesellschaft ein großer Verlust, wenn die Fragen nach Gott und dem Glauben und dem Zusammenleben auf Grundlage des biblischen Menschenbildes immer weniger eine Rolle spielen würden und diese Fragen durch die Kirchen und auch den Religionsunterricht nicht immer wieder ins Bewusstsein gerückt würden.
Deshalb halte ich es für wichtig, dass die Kirchen auch mit anderen gesellschaftlichen Verantwortungsträgern gut vernetzt sind in der gemeinsamen Verantwortung für das Wohl der Menschen.
Doch wir müssen uns als Kirchen auch verändern, denn wir erreichen viele Menschen nicht mehr mit Gottes guten Botschaft vom Leben, der Glaube hat für viele keine Relevanz mehr. Deshalb suchen wir neue Wege, auf Menschen zuzugehen und zu hören, was sie beschäftigt. Es braucht gute Möglichkeiten, sich ungezwungen zu begegnen, Offenheit und Kreativität, auch im digitalen Bereich, um miteinander in Kontakt zu kommen und Raum zu geben für Lebens- und Glaubensfragen.
Der Weg für die Kirchen ist gerade sehr herausfordernd. Wir stehen vor Veränderungs- und Sparmaßnahmen und das betrifft sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche. Daher ist es gut, dass wir uns regelmäßig ökumenisch austauschen und auch möglichst viel zusammenarbeiten sowohl in den Gemeinden vor Ort als auch auf Dekanatsebene.
Bei allen Schwierigkeiten sind wir zuversichtlich und wollen nicht übersehen, dass in den Gemeinden nach wie vor viel lebendige und engagierte Arbeit geschieht und Menschen dort durch den Glauben Zuversicht und Orientierung finden und sich daran freuen, mit anderen gemeinsam unterwegs zu sein und Leben zu gestalten.




