Die Aufgaben von Diakon*innen

- 25.02.2021 - 

In einer Videokonferenz erklären acht verschiedene Diakone und Diakoninnen der Schwetzinger Zeitung, was ihr Beruf für sie bedeutet, wie man Diakon wird und welche Aufgaben sie in ihrem Alltag meistern. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind bei der Evangelischen Landeskirche in Baden angestellt und arbeiten in der Südlichen Kurpfalz.
 

Innerhalb der Badischen Landeskirche gab es in den vergangenen beiden Jahren einen „Berufsbild-Prozess“. Eines der Ergebnisse ist, dass sich die Berufsbezeichnung der evangelischen Gemeindediakone auf „Diakon“ geändert hat. Durch diese Änderung gibt es nun eine gemeinsame Berufsbezeichnung für alle, die dennoch in der Praxis mit sehr unterschiedlichen Aufträgen eingesetzt sind. Aber welche Aufgaben sind das und was macht ein evangelischer Diakon eigentlich?
In einer Videokonferenz erklären acht verschiedene Diakone und Diakoninnen, was ihr Beruf für sie bedeutet, wie man Diakon wird und welche Aufgaben sie in ihrem Alltag meistern. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind bei der Badischen Landeskirche angestellt und somit mit den Pfarrern gleichgestellt.
Jonathan Schumann (Plankstadt) ist genau wie Margit Rothe (Schwetzingen) und Johanna Hassfeld (Eppelheim) in einer Kommune tätig. Während bei Schumann und Hassfeld der Schwerpunkt auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt, ist Rothe aktuell vor allem für Senioren und Kinder zuständig. „Mir ist es wichtig, anderen auf Augenhöhe zu begegnen“, betont Hassfeld, die unter anderem Gottesdienste organisiert und die Konfirmanden unterrichtet. Der Beruf „Diakon“ sei sehr vielfältig – in jeder Gemeinde gebe es andere Aufgaben zu bewältigen, andere Schwerpunkte und Projekte.

Freizeiten und Feste veranstalten

Ein Diakon ist aber nicht automatisch nur in einer Gemeinde tätig. Einige der Frauen und Männer sind auch für den gesamten Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz zuständig. Jan Tuscher, Bezirksjugendreferent, ist einer von ihnen. „Ich veranstalte Freizeiten für Kinder und Jugendliche, mache Einzelprojekte in Kooperation mit Gemeinden und bin bei Kinderfesten, Seminaren oder Präventionsveranstaltungen dabei“, erklärt Tuscher einige seiner zahlreichen Aufgaben. Elke Piechatzek ist als Bezirksbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising ebenfalls überkommunal tätig. Schon seit 30 Jahren ist sie in verschiedenen Feldern als Diakonin tätig, seit 2008 im hiesigen Kirchenbezirk. Aktuell kümmere sie sich hauptsächlich um Spendenaktionen, die Homepage, Pressemitteilungen und übernehme Planung und Organisation von Veranstaltungen.
 
Aber wie wird man eigentlich Diakon? Ein Weg, den Beruf zu ergreifen, ist ein Studium. Sinika Stolpmann, die bei der Videokonferenz ebenfalls dabei ist, möchte Diakonin werden und studiert Religionspädagogik und Gemeindediakonie an der Evangelische Hochschule in Freiburg (wir berichteten). „Bevor der Bachelor berufsqualifizierend war, war das Studium ein Diplomstudiengang mit acht Semestern“, merkt Jonathan Schumann an. Heute sind es nur noch sieben Semester, von denen eines ein Praxissemester ist.
„Das Studium ist sehr breit aufgestellt. Die Studenten besuchen theologische Vorlesungen, aber auch Psychologie, Recht, Erziehungswissenschaften und Politik stehen auf dem Stundenplan“, erklärt Margit Rothe. Außerdem sei die Supervision ein Teil des Studiums. Interessierte haben aber auch die Möglichkeit an einer Pädagogischen Hochschule oder Bibelschule zu studieren.

Quereinstieg ist möglich
 
Ein Studium ist aber nicht per se eine Grundvoraussetzung: Auch Quereinsteiger könne Diakone werden. Doris Eckel-Weingärtner hat zum Beispiel ursprünglich eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht, bevor sie vor 23 Jahren Diakonin geworden ist. Seit zehn Jahren leitet sie die Erwachsenenbildung des Kirchenbezirkes. Und auch Sibylle Holzwarth-Weiss war nicht von Anfang an Diakonin. Zunächst arbeitete sie in einer Einrichtung für Behinderte, nun ist in der Schwetzinger GRN-Klinik als evangelische Seelsorgerin für Patienten da.
 
Die Diakone sind untereinander vernetzt, treffen sich regelmäßig zu Videokonferenzen und tauschen sich aus. „Die ersten Jahre ist man außerdem im Traineeprogramm und bekommt einen Mentor aus dem Kirchenbezirk an die Seite gestellt“, erklärt Johanna Hassfeld. Das Traineeprogramm sei noch recht neu, erst seit rund fünf Jahren bildet es einen Raum für Austausch und zum vertiefen einiger Inhalte. Und was unterscheidet einen evangelischen Diakon von einem evangelischen Pfarrer? „Wir sind auch in sozialen Bereichen ausgebildet und keine reinen Theologen“, erklärt Elke Piechatzek. „Ein Bekannter bezeichnete mich einmal als evangelische Eventmanagerin und Sozialarbeiterin“, fügt Sibylle Holzwarth-Weiss mit einem Schmunzeln hinzu. Margit Rothe merkt an: „Wir müssen unseren Beruf immer erklären. Jeder weiß, was ein Pfarrer ist, aber bei den Diakonen ist das leider nicht so.“
Was Pfarrer und Diakonen vereine, sei der Verkündigungsauftrag. Beide Berufsgruppen arbeiteten miteinander, hätten aber doch unterschiedliche Aufgaben. „Ein Pfarrer hat mehr Pflichtaufgaben“, nennt Rothe einen weiteren Unterschied. Lange Zeit sei außerdem strittig gewesen, ob Diakone konfirmieren dürfen – mittlerweile sei es normal, dass auch Diakone konfirmieren. Da die Schwetzinger Diakonin viel mit Senioren arbeite, halte sie mittlerweile auch Beerdigungen ab.
Eins haben alle acht Diakone und Diakoninnen gemeinsam: Sie lieben ihren Job. Schöne Momente gebe es in ihrem Berufsleben jede Menge. „Wenn ich mit 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern eine Freizeit veranstalten und wir am Ende freudetaumelnd und erschöpft zusammensitzen und über die schönen Momente der Freizeit sprechen – das ist einfach super“, erzählt Jan Tuscher und schwärmt von dem „Wir-Gefühl“ und der gemeinsamen Zeit mit den Kindern und Jugendlichen. „Ja, es sind die Menschen, die den Beruf besonders machen. Wir haben ein gemeinsames Fundament und Wertesystem; das ist wie Heimkommen“, stimmt Elke Piechatzek zu. Doris Eckel-Weingärtner schätzt an ihrem Beruf, dass sie sich mit anderen Menschen den Fragen des Lebens widmen kann. „Ich habe die Möglichkeit, permanent zu lernen. Das ist wunderbar“, sagt sie.

Jugendliche wachsen sehen
Margit Rothe freue es, Jugendliche stark zu machen und zu ermächtigen, aber auch „Kind bleiben, im Sinne von spielen“ bereite ihr Spaß. „Die Faszination Religion bei Menschen zu erleben, finde ich toll – wenn Menschen durch meine Begleitung merken, dass sie es mit Gottes Hilfe irgendwie schaffen“, erklärt sie. Johanna Hassfeld könne ihr da nur zustimmen. Es sei schön mitzuerleben, wie Jugendliche und Kinder wachsen, vielleicht sogar ein Aha-Erlebnis mit Gott haben.
„Mir geht es da ähnlich. Immer wenn ich merke, dass dieses Thema die Jugendlichen betrifft, und ich bei Glaubens- und Lebenslagen begleiten kann, ist das ein Highlight“, pflichtet Jonathan Schumann ihr bei. „Ich sehe uns auch als Ermöglicher. In der Klinikseelsorge betrifft mich der Glaube noch einmal anders. Fragen wie ,Warum lässt Gott das zu?’ tauchen auf. Ich freue mich ganz besonders, wenn ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein kann“, meint Sibylle Holzwarth-Weiss.
Der Beruf der Diakone hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gewandelt und wird sich auch in Zukunft stetig verändern. Aber genau diese Dynamik wissen die Diakone und Diakoninnen der Gesprächsrunde zu schätzen. „Die Aufgaben sind vielfältig und keinesfalls langweilig“, lautet der Tenor.


Hier die Namen aller Diakon*innen im Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz
 
  

Doris Eckel-Weingärtner

Diakonin/Leiterin der Erwachsenenbildung

Johanna Hassfeld

Diakonin in Hockenheim

Sibylle Holzwarth-Weiss

Klinikseelsorgerin Schwetzingen

Daniel Horsch

Diakon in Plankstadt

Hannah Mautner

Diakonin in Alt - und Neulußheim

Elke Piechatzek

Diakonin/ Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising

Jutta Reick

Diakonin in Wiesloch

Jascha Richter

Diakon in Eppelheim und bei der Bezirksjugend

Margit Rothe

Diakonin in Schwetzingen

Tabea Schaffrodt

Diakonin in St. Ilgen

Patricia Schneider-Winterstein

Diakonin Wiesloch und Projekt Religionspädagogik in Evangelischen Kindertagesstätten

Sinika Stolpmann

Diakonin in Baiertal und Walldorf /Hochhardt

Evangelische Bezirksjugend Jan Tuscher

Diakon und Bezirksjugendreferent

Stefanie Uhlig

Diakonin in Ketsch