Der neue Synodenvorsitzende im Gespräch

Langweilig wird es nicht.
Elke Piechatzek im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Bezirkssynode
Pfarrer Michael Dahlinger aus Hockenheim -
Auswertung der digitalen Synoden und Ausblick 2021

EP: Herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Vorsitzender der Bezirkssynode.
Zu allererst, wie waren die Erfahrungen beim Vorbereiten einer digitalen Wahlsynode?

Wo hat es gehakt, was war gelungen?

Erfahrungen Numero 1: die Synodalen sind in Sachen Onlineverhalten schon recht unterschiedlich unterwegs. Das ist nicht tragisch. Das Problem hatte Paulus schon mit den Starken und Schwachen in Korinth. Die einen müssen wir fördern und locken, die anderen etwas bremsen. Und dank deiner Supporthilfe haben wir das doch ganz gut gemeistert.
Mich nervt nur, dass wir in der Kirche so oft überhöhen und ideologisieren
und immer gleich die Sinnfrage in Bezug auf das Ganze gestellt werden muss.

Erfahrung Numero 2: Zuarbeit und Zusammenarbeit mit der Landeskirche. Reichlich spät kam das rechtliche OK für eine Onlinewahlsynode. Immerhin. Und Ingeborg Trück vom EOK hat uns hier gut beraten. Aber wie das dann praktisch und vor allem userfreundlich umgesetzt wird, da war ich dann doch auf mein eigenes Knowhow angewiesen. Nur ein Beispiel: die Wahlen auf einer Bezirkssynode sind bis auf die Namen der Kandidierenden in allen Bezirkssynoden zu 99,9 % identisch. Unter dieser Annahme hätte doch eine Person im EOK Stimmzettelvorgaben erstellen können, ähnlich wie bei den allgemeinen Kirchenwahlen. Und das was es an Hilfen gab, war eindeutig zum Drucken und handschriftlichen Ausfüllen entworfen. Also völlig online untauglich.
Von daher: dank einer perfekten Vorbereitung mit Detlev Schilling, Annemarie Steinebrunner  Christine Wolf undElke Piechatzek, dazu Silke Hambsch, Claudia Beigel, Petra Sackzweski, Corinna Bauder, sowie Matthias Weiss als IT-Fachkraft haben wir das Beste draus gemacht. Erwähnen möchte ich auch meinen Kollegen hier vor Ort, Johannes Heck, der mir viele Tipps gab. Also es war gelungen.
Und nicht ganz ohne Stolz: die Südliche Kurpfalz ist - soweit ich weiß - die einzige Synode gewesen, die das Ganze 100% online durchgezogen hat. Und für die kommende Synode Anfang März setze ich auf ein besseres Konferenztool, damit wir uns auch sehen können.

Warum gibt es Kirchenbezirke und eine Synode in der Region?
Was ist die Stärke und Schwäche dieser mittleren Ebene?
Weil das so in der Grundordnung steht. Aber das ist ja keine befriedigende Antwort. Ein Kirchenbezirk hat für mich den glasklaren Vorteil, dass er in einer überschaubaren geographischen Größe das Mit- und Füreinander der einzelnen Kirchengemeinden in diesem Regionalraum organisieren kann. Hilfreich ist da das Lokalkolorit, das insbesondere durch Dialekt, gemeinsame politische und kirchengeschichtliche Erfahrungen verbindet. Nicht umsonst nennen sich die Kirchenbezirk immer nach Städten oder Regionen. Im Grunde genommen haben wir als Südl. Kurpfalz eine super Ausgangslage: wir reichen vom Rhein bis in den Kraichgau, bei uns gibt es Wein und Spargel und als Teil der Metropolregion profitieren wir von Mannheim und Heidelberg. Was will ich mehr. Die Bezirkssynode ist daher der Ort, an dem die einzelnen Kirchengemeinden durch ihre Synodalen zueinander finden, sich wenigstens zweimal im Jahr begegnen und ihr Miteinander gestalten können.
Daher halte ich mich lieber an den Stärken eines Kirchenbezirks. Gerade das Dazwischen eines Kirchenbezirks, zwischen den Vorgaben der Landeskirche und den Bedarfen der Kirchengemeinde vor Ort, bietet viele Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten.

Wo liegt die nahe und ferne Zukunft von Evangelischer Kirche in der Region?

Das Denken, Leiten und Gestalten in einer Region habe ich schon mit meiner ersten Pfarrstelle im Kraichgau als eine großartige Bereicherung und Entlastung erlebt. Vielleicht hatte ich aber auch nur das Glück, mit anderen ehren- und hauptamtlichen einer Region, nicht zuletzt hier in der HoRAN-Region, zusammenzusitzen, die das genauso sahen und sehen. Und sicherlich, ein regionales Zusammenwirken ergibt sich nicht von selbst. Da muss ich mich einbringen und zurücknehmen.
Ob die Region jetzt die eierlegende Wollmilchsau für die Zukunft der Kirche ist? Ich weiß es nicht. Meine Erfahrungen sprechen jedenfalls dafür. Zumindest sehe ich augenblicklich keine überzeugende Alternative.

Welche Erfahrungen haben Mut gemacht im letzten Jahr?
Was bereitet eher Sorgen?
Letztes Jahr hat natürlich immer etwas mit der Coronapandemie zu tun. Mut hat mir gemacht, dass immer jemand da war, der mit mir die Maxime geteilt hat, aus allem das Beste zu machen, mit einem innovativen, konstruktiven und humorvollen Miteinander und Gottes Segen als Schubkraft im Rücken.
Zwei Sorgen habe ich: ich sehe im Moment nicht, dass das Ende der Coronapandemie auch zu einem Einstieg in ein grundlegend neues gesellschaftliches Denken und Handeln führt, das Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung an die erste Stelle rückt. Statt Transformation befürchte ich eher ein back-to-the-roots im Sinne eines "endlich ist es wieder wie vorher".
Die zweite Sorge will ich mal provozierend so beschreiben, und da denke ich vor allem als Gemeindepfarrer, wie bekomme ich die Gottesdienstteilnehmer, die es sich während der Coronapandemie zuhause vor Smartphone, Tablet, am Frühstückstisch oder Sofa eingerichtet haben, wieder in das Kirchengebäude.

Welche Aufgaben wird die Synode 2021 haben?
Die nächste Aufgabe ist die Beratung und Verabschiedung des Haushaltes. Sicherlich wieder online. Dazu laufen schon die ersten Vorbereitungen.Und dann kommt die Wahl der Schuldekanin. Hoffentlich präsent. Und ein Stellvertreter oder eine Stellvertreterin für mich muss auch noch gefunden werden. 
Als weitere Aufgabe sehe ich, wie wir unser kirchenbezirkliches miteinander, nicht zuletzt unter wohl auch schwindenden Finanzmitteln und weiteren Folgen der Coronapandemie mutig gestalten. Das sind Aufgaben, die auf uns zu kommen. Anderes wird uns vor die Füsse fallen, kommt vielleicht auch aus der Mitte der Synode. Ein Herzensanliegen wäre mir auch eine Bezirksynode, die präsentes Arbeiten und Denken in Onlineräumen gewinnbringend verbindet. Ich vermute mal: langweilig wird es nicht.


Das Gespräch führte Elke Piechatzek , die erneut zur Schriftführerin der Bezirkssynode gewählt wurde.


Ansprechpartner

Michael Dahlinger

Pfarrer in Hockenheim - Koordination Notfallseelsorge

Elke Piechatzek

Diakonin/ Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising