Wieviel Freiheit ist möglich?

- 26.10.2020 - 

Was dient dem Leben?

Dekanin Annemarie Steinebrunner in der Predigt vom 25.10.2020
Wir brauchen noch anderes, das nicht von Schutzkonzepten abhängig ist:
Hoffnung und Zuversicht und Vertrauen in Gott und Menschen; ein offenes Herz für den anderen, ein wachsamer Blick in unser Umfeld, nicht nur mit uns selbst beschäftigt sein; das Erleben von Gemeinschaft und Solidarität, verbunden bleiben auch auf Abstand, aneinander denken, füreinander beten."



Dekanin Annemarie Steinebrunner nutzt den Predigtext, um etwas zu Corona und den Maßnahmen in den Kirchengemeinden zu sagen.

Dem Leben dienen
Die Geschichte um das "Ähren raufen" der Jünger am Sabbat, das die Pharisäer so erzürnte, ist beispielhaft, wie Jesus mit Geboten umgeht. Dekanin Annemarie Steinebrunner hat Verständnis für die Pharisäer, die Gesetzestreuen, die zu Recht fragen:
„Warum halten sich deine Jünger nicht daran, Jesus? Gottes Gebote sind doch wichtig!“

Ja, so ist es, und dem widerspricht Jesus auch nicht – und doch geht es nicht allein darum, den Buchstaben des Gesetzes zu erfüllen, sondern immer auch die Menschen im Blick zu haben, für die die Gebote sind.
Gott und die Menschen: das ist eine lebendige Beziehung und keine sture Erfüllung von Gesetzen.
Jesus versucht, den Blick der Pharisäers zu weiten: „Wofür sind denn die Gebote da? Sie wollen dem Leben dienen, dass Menschen so miteinander leben, dass alle das haben, was sie brauchen."
„Deshalb, liebe Pharisäer, ärgert euch doch nicht, wenn meine Jünger ein paar Ähren ausraufen. Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbat willen.“

Dekanin Steinebrunner überträgt das Bibelwort in die heutige Zeit.
"Es ist eine schwere und anstrengende Zeit, die uns allen viel abverlangt. Viele halten sich an die bestehenden Regeln. Andere stellen sie in Frage, protestieren heftig gegen die Corona-Maßnahmen. Querdenker. Der Ton wird schärfer und viele machen sich Sorgen um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.
Was geht, was nicht? Wie bleiben wir beieinander auch mit Abstand, damit nicht noch mehr Menschen vereinsamen, mit ihren Sorgen und Nöten alleine sind? Immer mehr Menschen leiden an den Folgen von Corona – auch psychisch.

Den Blick weiten
Dekanin Steinebrunner weitet den Blick in dieser Debatte um Corona Maßnahmen mit folgenden Worten:
"Über die Diskussionen hinaus: Wie viel Freiraum, wie viel Schutz brauchen wir? brauchen wir noch anderes, das nicht von Schutzkonzepten abhängig ist:
Hoffnung und Zuversicht und Vertrauen in Gott und Menschen; ein offenes Herz für den anderen, ein wachsamer Blick in unser Umfeld, nicht nur mit uns selbst beschäftigt sein; das Erleben von Gemeinschaft und Solidarität, verbunden bleiben auch auf Abstand, aneinander denken, füreinander beten."

im Gespräch bleiben
Und: dass wir miteinander im Gespräch bleiben darüber, was dem Leben dient und was wir dazu beitragen können, jede und jeder einzelne. Ja, es gibt zu den ganzen Corona-Fragen zunehmend unterschiedliche Ansichten - das merken wir auch innerhalb unserer Gemeinden. Und vielleicht kommen wir auch nicht auf einen Nenner, was jetzt dran ist und richtig ist - wie es bei Jesus und den Pharisäern war. Doch zerstreiten wir uns deswegen nicht. Behalten wir uns gegenseitig gut im Blick und reden miteinander und schauen, welche Möglichkeiten wir haben. Sind wir dankbar für das, was geht und bleiben wir gemeinsam unterwegs.

Mit Gottes Hilfe!


„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir will: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“


 
 
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