Jede Stunde bringt neue Schreckensnachrichten und schlimme Bilder und wir fragen uns: Wie werden wir durch diese Krise hindurch kommen? Wie beschädigt? Mit wie vielen Opfern? Schaffen wir es gemeinsam mit Solidarität? Oder ist sich letztlich doch jeder nur selbst der Nächste?
Das ist die eine Seite: die Angst, die Sorge.
Die andere Seite: ich sehe so viel Solidarität. Menschen, die sehr kreativ darin sind, wie sie trotz Abstandhalten zusammenhalten und füreinander da sind.
Auch wenn wir im Moment das direkte Zusammensein mit anderen und das Erleben von Gemeinschaft so schmerzlich vermissen, können wir dennoch emotional verbunden sein und aneinander denken, telefonieren, schreiben, skypen…
Ich erlebe es an vielen Stellen, dass das geschieht und wir uns in neuen Formen im Kontakthalten üben und anderen dadurch zeigen: „Du bist nicht allein gelassen.“ Das freut mich und macht mich zuversichtlich. Jeder und jede von uns braucht sie, die Erfahrung: „Ich bin nicht vergessen, da sind andere Menschen, denen ich wichtig bin, die sich um mich sorgen, die an mich denken.“
Unsere kirchliche Arbeit ist auf Gemeinschaft ausgerichtet. In vielen verschiedenen Bereichen wird Leben miteinander geteilt: in fröhlichen und traurigen Momenten, über alle Generationen hinweg von der Geburt bis zum Tod.
Es ist unser kirchlicher Auftrag, dass wir miteinander das Leben gestalten und für andere da sind, dass wir Gottes Liebe unter die Menschen bringen mit Worten und Taten. Und so ist die große Herausforderung in unseren Kirchengemeinden: Wie können wir unter den gegebenen Umständen weiter für die Menschen da sein, die uns brauchen – und uns auch untereinander stärken.
Im bin beeindruckt und dankbar, wie engagiert, kreativ, seelsorgerlich und fürsorglich da in unseren Gemeinden gearbeitet wird und viele neue Formen kirchlichen Lebens entstehen. Natürlich hilft uns da sehr die Digitalisierung.
Auf unseren kirchlichen Homepages sind viele neue Angebote zu finden: Andachten, Anregungen, Zuspruch, guten Gedanken. Auch Mailadressen und Telefonnummern von Menschen, die ansprechbar sind für Nöte und Sorgen oder auch für ganz praktische Dinge, wenn jemand z.B. Unterstützung braucht für den Einkauf.
Aber auch ältere Menschen, die keinen Computer zuhause haben, bekommen aus den Gemeinden Anrufe oder einen kleinen Gruß in den Briefkasten eingeworfen. Es wird in dieser Zeit viel telefoniert und geschrieben und das ist gut.
Wir sind alle in unseren Kirchengemeinden da und im Dienst und ansprechbar – nur anders als sonst.
Unsere Kirchenglocken werden weiterhin läuten zu den gewohnten Zeiten und uns erinnern: Wir denken aneinander und wir beten füreinander und wir bitten Gott, dass er uns hilft und uns Kraft und Besonnenheit schenkt, Liebe, Solidarität und Zuversicht. Und auch Dankbarkeit. Es gibt vieles, wofür wir immer noch dankbar sein können und der Blick darauf gibt neuen Mut.
Für die Kranken und Trauenden beten wir und für die, die verzweifelt sind und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Wir beten für diejenigen, die sich um andere sorgen, für die Ärzte und Pflegekräfte, für alle die Entscheidungen treffen müssen für andere, die planen und koordinieren, die nach einem Impfstoff forschen und sich so unermüdlich einsetzen.
Ich meine, es ist wichtig, dass Menschen wissen - selbst wenn sie nicht religiös sind - dass viel gebetet wird und wir als Christinnen und Christen unser Vertrauen noch auf eine andere Macht setzen, als allein auf unsere.
Das gilt für andere Religionen genauso.
Schon immer haben Menschen in Krisenzeiten vermehrt gebetet, wenn sie merken, dass sie an ihre Grenzen stoßen und nicht alles selbst hinbekommen, dass Sie Kraft „von oben“ brauchen: Segen, Zuspruch, Ermutigung, Trost, den sie sich selbst nicht geben können.
Unsere evangelische Landeskirche hat zu einer Aktion aufgerufen, jeden Abend beim Glockenläuten in den Häusern ein kleines Abendgebet zu sprechen. Dazu gibt es eine Vorlage, die auf den kirchlichen Homepages heruntergeladen werden kann (auch unter www.ekisuedlichekurpfalz.de). Ich finde das eine schöne Aktion, dass wir gemeinsam im Gebet verbunden sind und jeder und jede ist eingeladen, mitzumachen.
Bleiben wir miteinander verbunden und füreinander da. Das ist mein großer Wunsch in dieser Krise, die wir mit Gottes Hilfe und unserer gegenseitigen Fürsorge hoffentlich gut überstehen.
Bleiben Sie behütet!
Dekanin Annemarie Steinebrunner