10 Jahre Kirchenbezirk

10 Jahre Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz – Dekanin Annemarie Steinebrunner im Gespräch mit Elke Piechatzek


10 Jahre Kirchenbezirk – was bedeutet das für Sie?


Wie schnell die Zeit vorbeiging. Zunächst einmal freue ich mich, dass die „Südliche Kurpfalz“ als Region erkennbar geworden ist. Aus den ehemaligen Bezirken Wiesloch und Schwetzingen ist ein Bezirk geworden; in den vier Regionen wird gut zusammenarbeitet. Für Außenstehende sind wir als Kirchenbezirk schwer wahrnehmbar. Ich erzähle oft von den der lebendigen Gemeindearbeit in den 20, meist recht großen Kirchengemeinden und den vielen engagierten haupt- und ehrenamtlich

Mitarbeitenden, um die Evangelische Kirche in unserer Region erlebbar zu machen. Und ich spreche über die Beratungs- und Hilfsangebote, über die Einrichtungen und die Bildungsangebote. Der evangelische Kirchenbezirk ist „mehr als Du glaubst“. So lautet das Motto unserer Homepage, auf der deutlich wird, wie vielfältig die Arbeit in der evangelischen Kirche in der Region ist.

 

Was sind nach Ihrer Einschätzung Erkennungsmerkmale von Evangelischer Kirche in der Südlichen Kurpfalz? Woran erkennt man die Evangelischen?

Evangelische Kirche ist demokratisch geprägt. Viele Ehrenamtliche tragen Leitungsverantwortung: die Ältestenkreise, die Bezirkssynode, der Bezirkskirchenrat. In all diesen Gremien arbeiten Ehrenamtliche mit und übernehmen Verantwortung. Das finde ich gut und bereichert alle. Wir üben miteinander einen partnerschaftlichen Leitungsstil.

Bei aller Arbeit im Bezirk geht es mir vor allem darum, dass wir als Christinnen und Christen sichtbar und, wo immer möglich, gemeinsam unterwegs sind.

Es geht darum, Gottes gute Botschaft vom Leben unter die Menschen zu bringen und deswegen liegt mir auch die ökumenische Zusammenarbeit sehr am Herzen.

 

Wie sehen Sie Ihre Aufgabe, die sie jetzt seit 10 Jahren ausüben?


Kurz zusammengefasst habe ich in Zusammenarbeit mit anderen dafür zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen für die Gemeinden im Bezirk so sind, dass sie ihre Aufgaben gut erfüllen können. Die Leitung des Kirchenbezirks geschieht nie in „einsamen“ Entscheidungen, sondern im Zusammenwirken von der Bezirkssynode, dem Bezirkskirchenrat und dem Dekanatsteam (Dekanin, Schuldekanin, stellv. Dekanin).
Das gefällt mir an der evangelischen Kirche, dass unsere Arbeit im Miteinander und in der gemeinsamen Verantwortung geschieht. Wir hatten bisher eine offene, konstruktive, vertrauensvolle und auch fröhliche Zusammenarbeit im Dekanatsteam und dem Bezirkskirchenrat. Dafür bin ich dankbar, auch für das gute Miteinander in der Bezirkssynode.

Ich bin als Dekanin Dienstvorgesetzte der Pfarrer und Pfarrerinnen und Gemeindediakone und Gemeindediakoninnen – und natürlich auch Ansprechpartnerin für Ältestenkreise und Gemeindeglieder, wenn es Fragen gibt oder Probleme. Mir ist eine gelingende Kommunikation sehr wichtig und ich möchte mit den Menschen im Gespräch bleiben und kirchliche Ansprechpartnerin sein. Dafür nehme ich mir gerne Zeit.

Auch wenn ich jetzt von mir rede – ganz entscheidend ist für mich, dass wir im Dekanatsteam eng zusammenarbeiten und uns Aufgaben aufteilen. Die gelingende Zusammenarbeit im Dekanatseam ist uns allen wichtig und dafür tun wir auch etwas.

 

Das Dekaninnenamt ist sehr vielseitig und macht mir nach wie vor viel Freude. Es ergeben sich eine Menge Kontakte und ich freue mich, wie vieles in den Gemeinden gut gelingt und wie viele engagierte Menschen es in den Gemeinden gibt – das sehen wir besonders bei den Visitationen. Und wenn es einmal nicht so gut läuft, dann ist es mein Anliegen, gemeinsam Wege zu finden, damit es besser wird.

 

Welche Bedeutung hat der Kirchenbezirk für die einzelnen Gemeinden und ihre Gemeindemitglieder?

Unsere Aufgabe in der Bezirksleitung ist es, die Gemeinden in ihrer Arbeit zu unterstützen. Die möglichst gerechte Verteilung der dem Kirchenbezirk von der Landeskirche zugewiesenen Stellendeputate gehört dazu, wie die Mitwirkung bei der Besetzung der Pfarr– und Gemeindediakonenstellen. Wir sind an der Ausbildung von Prädikanten und Prädikantinnen beteiligt, die hier regelmäßig einen wertvollen Dienst in den Gemeinden tun, wir kümmern uns um Vertretungspläne, bieten Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Die Erwachsenenbildung bietet ein vielfältiges Programm für ganz verschiedene Zielgruppen. Das Diakonische Werk unterstützt die Gemeinden in ihrem diakonischen Engagement. Wir sind oft beratend in den Gemeinden unterwegs, unterstützen auch in der Öffentlichkeitsarbeit – das ist ja vor allem Ihr Part als Öffentlichkeitsreferentin.

Wir organisieren größere Veranstaltungen zu bestimmten Themen und zum Austausch, denn wir wollen als Kirche möglichst vielen Menschen vielfältige Angebote zu Lebens – und Glaubensfragen machen. Und das tun wir, wie gesagt, auch gerne ökumenisch. Wir haben schon einige bezirkliche kirchenmusikalische Großprojekte veranstaltet, die Mitwirkenden und Zuhörenden viel Freude gemacht haben. Es ist schön, dass wir als großer Bezirk, der in der Fläche recht kompakt ist, die Chance haben, Menschen zusammenzubringen und Vernetzungen zu ermöglichen.

 

Wo sehen sie für die kommenden Jahre die größten Herausforderungen im

Kirchenbezirk?

Unsere Gemeinden werden kleiner – zum einen durch den demographischen Wandel doch auch durch Austritte. Vielen Menschen ist nicht mehr einleuchtend, warum der Glaube und die Glaubensgemeinschaft Kirche wichtig sein kann für das Leben. Wir erreichen viele Menschen nicht mehr und das kann uns nicht gleichgültig sein.

Deswegen ist für mich eine große Herausforderung, dass wir mutiger von unserem Glauben reden, von dem, was unserem Leben Halt und Hilfe gibt.
Viele Menschen bei uns sind nicht mehr christlich aufgewachsen, es fehlt das Wissen über Grundinhalte des Glaubens. Wir suchen immer neue Wege, wie wir die Menschen mit Gottes guter Botschaft und dem Glauben in Kontakt bringen können, ohne ihnen etwas „aufdrücken“ zu wollen. Der Glaube ist eine Einladung.

 

Im Moment gibt es dazu zwei Projekte im Bezirk. Zum einen haben wir einen Schwerpunkt gesetzt beim Thema: „Einladende Gemeinde sein“. Die Willkommenskultur ist ein Stichwort, das allen gilt: denjenigen, die hier schon lange leben und hier zu Hause sind und auch den zugereisten Menschen und denen mit anderen kulturellen Hintergründen, die  hier mit uns leben. Wir haben als Kirche Gutes und Hilfreiches für das Leben anzubieten und wollen es auch tun. Unsere Fragen dabei sind: Wie können wir in sich ständig verändernden Bedingungen reagieren, wie laden wir ein und wie gehen wir auf Menschen zu?  Diesen Fragen wollen wir beantworten.

Das andere Projekt ist die Religionspädagogik in Kindertagesstätten. Uns ist bewusst, dass Glaube bei den Kleinsten anfängt. In Evangelischen Kindertagesstätten wollen wir Familien unterstützen, damit sie die Schätze des Glaubens für und mit ihren Kindern entdecken.

Und natürlich hat der Religionsunterricht in den Schulen da auch eine große Bedeutung.

Eine weitere Herausforderung sehe ich neben der Verkündigung in den strukturellen Fragen. Wie stellen wir unsere Gemeinden und unseren Kirchenbezirk auf für die Zukunft, damit wir auch unter veränderten Bedingungen weiter gute kirchliche Arbeit tun und so am Reich Gottes mitarbeiten können? Welche Gemeindegrößen sind sinnvoll, wie stärken wir die Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinaus, welche Gebäude brauchen wir, was können wir uns noch finanziell leisten? Das Liegenschaftsprojekt der Landeskirche hat die Gebäude im Blick, denkt vor und nimmt die Entscheider mit auf einem Weg in eine zukunftssichere Kirche mit einem Gebäudestand, den wir uns auch leisten können.
Dabei möchte ich die strukturellen Fragen nicht gegen die inhaltlichen ausspielen. Denn genau wie die Verkündigung sehe ich die strukturellen Fragen auch als geistliche Fragen an uns: Unter welchen Bedingungen verkünden und leben wir das Evangelium?

Was macht den Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz für Sie besonders?

Die Menschen. Die Vielfalt. Das gelingende Miteinander an vielen Stellen. Kollegialität. Solidarität. So viele Menschen, die sich engagiert und ideenreich mit ihren Fähigkeiten einbringen und füreinander da sind – und auch Krisen gemeinsam bewältigen das ist toll!

Neben den bezirklichen Arbeitsbereichen Kinder-und Jugendarbeit, Kirchenmusik, Erwachsenenbildung,  ist die diakonische Arbeit ein wichtiger Schwerpunkt. Da wird unser Glaube ganz praktisch und da leisten die Mitarbeitenden unser Diakonisches Werk sehr viel Wertvolles für andere.

 

Es gibt zahlreiche  Angebote für Menschen, die Unterstützung brauchen in ganz verschiedenen Lebenssituationen und die auch sehr genutzt werden. Die Leitsätze, die wir zum Umgang mit Menschen auf der Flucht 2015 formuliert haben, wirken weiter. Integration und Migration sind nach wie vor Thema.

Eine gute Öffentlichkeitsarbeit ist für unsere Arbeit sehr wichtig, damit Menschen sich gut informieren können und die kirchlichen Angebote finden, die sie brauchen. Ich bin froh, dass wir mit Ihnen, Frau Piechatzek, eine kompetente und engagierte Öffentlichkeitsreferentin haben. Sie sind jetzt auch 10 Jahre im Kirchenbezirk tätig und bringen die wichtigen Themen mit voran und in die Öffentlichkeit.

Ein wichtiges Thema, das uns herausfordert,  ist natürlich auch die digitale Welt. Damir sind auch Sie sehr befasst.

Was war für Sie in letzter Zeit ein bezirkliches Highlight?

Letztes Jahr das 500-jährige Reformationsgedenken mit unsere Erlebnisausstellung Reformation in der Stadtkirche in Wiesloch und das Bezirksfest in mittelalterlichem Flair.  Das waren tolle Tage, die hat sich gezeigt, wie ein Kirchenbezirk zusammen arbeiten und feiern kann.

Zuletzt: .Was ist für Sie das Wichtigste?

Das Wichtigste ist mir vor allen Aktivitäten im Bezirk, dass wir wissen, warum wir es tun. Dass wir uns bewusst zu machen, dass wir alle an Gottes Reich mitarbeiten und dadurch Gottes Wille für uns und unsere Welt sichtbar wird. Das heißt konkret: Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung leben, sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, den Mitmenschen sehen und füreinander da sein.

In unsere Zeit werden Menschen mit einer solidarischen Haltung dringend gebraucht. Als Christin bedeutet das für mich, so zu leben, dass das Leben gelingt für uns und andere, so wie es Jesus vorgelebt hat. Und dabei auf Gottes Begleitung und seinen Segen vertrauen.

Übersehen wir bei all unseren Überlegungen und unserem Tun nicht, was bisher schon gelungen ist. Wenn Menschen und ihre Arbeit wahrgenommen, wertgeschätzt sind, dann können wir darauf aufbauen, miteinander weiter gehen und uns auch auf neue Perspektiven einlassen.

Ich danke für das Gespräch.


Das Gespräch führte Elke Piechatzek, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Evangelische Kirche Südliche Kurpfalz.

 


Zur Person

Annemarie Steinebrunner (Jg. 1961) wuchs in Lörrach auf und studierte
in Kiel Theologie. Von 1992 bis 1998 war sie Pastorin der Nordelbischen
Ev. - Lutherischen Kirche, seit 1999 Pfarrerin der Evangelischen
Landeskirche in Baden. 2008 wurde sie Dekanin des Kirchenbezirks
Südliche Kurpfalz.

Autor / Autorin
Elke Piechatzek
Diakonin/ Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising