die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen, die seit 1970 Jahreslosung, Monatssprüche und Bibellesepläne herausgibt, hat sich für einen Vers aus der Offenbarung des Johannes entschieden.
Er soll dem Jahr 2018 als guter Begleiter dienen.
„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“
Offb 21,6
Wortgewaltig hat der Seher Johannes seine Schrift ausgestattet. Er enthüllt was kommen wird, wenn diese Welt und ihre Strukturen nichts mehr gelten. Er entwirft ein farbenreiches Gemälde einer Endzeit und lässt weder Krieg und Gemetzel, noch Untergang und Elend aus. Gott und Welt stehen sich gegenüber, himmlische Heerscharen bevölkern die Himmelswelt, Drachen und gefährliche Raubtiere treiben ihr Unwesen. Diese Bildwelt hat so manchen späteren Maler und heutigen Filmproduzenten zu allerlei Fantasie getrieben. Doch es ist kein neues Phänomen, was uns vor Augen gestellt wird. Der Prophet weiß sich in guter Gesellschaft. Er nimmt Anleihe bei seinen alttestamentlichen Vorgängern und ihren Weissagungen.
Endzeitvisionen gab es auch schon bei ihnen. Hineingesprochen in Zeiten der äußeren Bedrohungen und des inneren Glaubensverlustes.
Im ausgehenden 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung sind die römischen Besatzer übermächtig. Sie nehmen nicht Rücksicht auf die Lebenswelt ihrer eroberten Länder. Religionsfreiheit und Respekt vor anderen Glaubensvor- stellungen waren noch keine Güter, die zur kulturellen Errungenschaft der Menschheit gehörten. Für den Seher Johannes war klar: Diese lebens-feindlichen Machthaber gilt es zu bekämpfen und sei es mit diesen heraus-fordernden Bildern, diesen düsteren Kampfszenarien.
Was Johannes dem aber gegenüberstellt: Er sagt uns seine Vision einer anderen Welt voraus, einer Welt, in der Gottes Gebote geachtet und gelebt werden können. In der Menschen Gottes Liebe annehmen dürfen ohne bestraft zu werden. Eine Welt, in der Frieden und Gerechtigkeit keine leeren Worte oder billige Floskeln sind. In der Arme wieder eine Option haben und Gewaltverhältnisse keinen Platz mehr finden.
In einnehmenden Worten beschreibt er der christlichen Gemeinschaft, wie diese neue Welt aussehen wird. Lesen Sie es selbst in Offenbarung 21,1-6 nach.
‚Neuer Himmel, neue Erde, Altes vergangen, keine Tränen mehr... - es sind Worte, die ‚gehen runter wie Öl’ –so die Zusammenfassung eines Schülers. Die deutlich machen: Leben kann neu gedacht, neu gelebt, neu geliebt werden.
Es sind Worte, die etwas auslösen und uns hoffentlich erreichen.
Und erreichen vielleicht auch die durch Termine und getaktete Zeit-vorgaben getriebenen Mitmenschen, die vor lauter Kalenderpflege gar nicht mehr sehen können, wann die Sonne wirklich scheint. Erreicht diejenigen, die sich fragen, was gerade dieses Leben mit ihnen vorhat, ob überhaupt etwas einen Sinn macht. Erreicht die, die das Sterben eines vertrauten Menschen begleitet haben und keine Ruhe finden, weil das WARUM? so quält.
Erreicht alle, die sich sehnen nach einer Quelle, die diesen Lebensdurst stillt. Eine Quelle, die erfrischt, erquickt, wie neu werden lässt.
Johannes weiß um diese Quelle. Gott schenkt sie. Hat sie ihm geschenkt und schenkt sie uns. Im Licht der Weihnacht ist sie wieder und neu in unsere dunklen Zeiten hineingeboren worden. Im Kind Jesus ist die Quelle lebendig.
Lebendige Quelle, die lebendiges Wasser ins menschliche Leben sprudelt.
Kaum einer wird mit diesem Wasserbild nichts anfangen können. Und spätestens nach heißen Sommertagen weiß jede und jeder wieder, wie gut ein Schluck frisches Wasser tut, wie gut eine Dusche kühlt, wie gut ein Sprung in den See aufatmen lässt. Wasser als Lebenselixier. Diese Bilder überwiegen auch die Schrecken, die Wasser ebenfalls mit sich bringen kann. Doch dererlei Art ist die Gotteswasserquelle nicht. Sie sprudelt lebendiges Wasser, lebenförderliches Wasser, lebenerhaltendes Wasser. Und das noch ganz umsonst! Wir brauchen weder Erschließungsgebühr noch Wasserpfand entrichten. Der Zugang zu dieser Quelle kostet nichts! Sie ist da, sie sprudelt – und wir, wir können sie nutzen und unseren Durst stillen.
Ob andere entdecken, dass wir aus der Quelle des lebendigen Wassers getrunken haben?
Das liegt an uns, meine ich.
Wenn wir davon erzählen, wenn wir anderen Durstigen Lust auf dieses Wasser machen, dann können weitere Glaubens-Früchte wachsen, weitere Glaubens-Pflanzen gedeihen.
Gottes Garten verträgt viel Wasser und viele Geschöpfe.
Wie schön, dass auch schon vor uns und hoffentlich auch nach uns Menschen sich von dieser Wassereinladung haben locken lassen.
„ Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“
Wer seinen Lebensdurst mit Gottes lebendigem Wasser stillt, kann zuversichtlich und hoffnungsvoll wachsen und gedeihen. Vielleicht nicht immer so, wie man es in einschlägigen Gartenmagazinen gesehen und für sich geplant hat, aber mindestens so, dass man eine zauberhafte Blume im Gottes Garten sein wird. Nicht die schlechteste Verheißung.
Und sie soll Sie begleiten auf dem Weg durch das Jahr,
mit herzlichen Grüßen
gez.
Christine Wolf