Herbstsynode 2017

Diskussion zum Bildungsgesamtplan der badischen Landeskirche

„Gut gebildet glauben“ ist die Überschrift für den Bildungsgesamtplan 2016 der Evangelischen Landeskirche in Baden, der die Weiterentwicklung der Bildungsarbeit der Gesamtkirche beschreibt. Auf der Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks Südliche Kurpfalz am vergangenen Samstag in Brühl trafen sich gut 80 Vertreterinnen und Vertreter der angeschlossenen 20 Kirchengemeinden von Haupt- und Ehrenamt, um über die landesweite Vorgabe und die Umsetzung vor Ort in den Kirchengemeinden zu diskutieren.

 

Zur Eröffnung stimmte Dekanin Annemarie Steinebrunner die Teilnehmenden bei einer Andacht auf die zukünftigen Herausforderungen bei der kirchlichen Bildungsarbeit ein: „Bildung ist mehr als Wissensvermittlung. Bildung ermöglicht es, dass der Mensch ein Stück dem Bild Gottes näher kommt und seine Persönlichkeit stärkt.“ Sie nahm Bezug auf viele biblische Aussagen, die Bilder als Quelle für die Bildung umsetzen, so beispielsweise das Motto der Schwerter zu Pflugscharen.
 

Bildung als Fortentwicklung der Gesellschaft

Einleitend zum Hauptinhalt der Tagung führte Schuldekanin Christine Wolf in die Entwicklung der Bildungsplanung der Kirche ein. „Schon seit der Reformation haben Luther und Melanchthon den Bildungsgedanken im Fokus gehabt. Dieser Auftrag ist heute aktueller denn je“, so die Dekanin, die im Kirchenbezirk für die Schularbeit zuständig ist. Sie leitete über zum Hauptreferenten Dr. Uwe Hauser, Direktor des Religionspädagogischen Instituts und Hauptkoordinator des Bildungsplans für die Weiterbildungsarbeit für und mit den knapp 700 Gemeinden und 24 Kirchenbezirken in Baden. „Der Plan ist kein sozialistischer Fünfjahresplan, sondern soll Auskunft darüber geben, wie die Landeskirche Bildung versteht, wo Herausforderungen entstehen und wie damit umgegangen werden kann“, erläuterte Hauser den 63-seitigen Leitfaden. Dabei seien die Herausforderungen seit der letztmaligen Auflage aus dem Jahr 2009 durchaus vielfältiger und verschiedener geworden, wobei immer auch Raum bleibe, auf lokaler Ebene weitere Ergänzungen in der Arbeit mit Bildung aufzunehmen: „Ich freue mich, dass auch in der Südlichen Kurpfalz mit den vielfältigen Strukturen weitere Schwerpunkte im Rahmen ihres Kirchenkompass-Orientierungsprozesses bestehen: Das ergänzt unser Gesamtbild“, so Hauser. Er schilderte für die dann folgende intensive Diskussion der Synodalen die Herausforderungen für die evangelische Kirche beim öffentlichen Bildungswesen, in der Pluralisierung der Gesellschaft, bei Migration und Armut, in Demografie und Inklusion neben vielen weiteren Bereichen. „Unser Bildungswesen ändert sich rasend schnell – alles wird pluraler“, so der Referent, und die Schwierigkeit sei es, entsprechend der Zielgruppen die Ansprache schnell zu ändern. Seine These, dass durch die Taufe ein neuer Mensch entstehe mit dem Zielbild, Jesus Christus zu entsprechen, mache die Vielfältigkeit in der Gesellschaft nicht leichter. Die Arbeit in Kindergärten, im Religions- und im Konfirmationsunterricht müsse sich den gesellschaftlichen Herausforderungen in der Schnelligkeit stellen.

 

Bildung vor Ort im Kirchenbezirk

In den evangelischen Kirchen der Region sind diese Herausforderungen schon angekommen: Das zeigten die anschließenden Diskussionen in den 8 verschiedenen workshops. Beim Projekts des Kirchenbezirks zur religionspädagogischen Profilierung in Kindertagesstätten wird wahrgenommen, dass kirchliche Ausrichtung von Eltern bewusst gewählt wird und damit ein Bildungsauftrag an die Kinderarbeit besteht. Im Religionsunterricht an den Schulen der Region steht längst nicht mehr das Auswendiglernen von Kirchenliedern: Teilweise wird ‚Reli‘ häufig abgewählt wegen eines vermeintlich altbackenen Eindrucks. Provokante Fragen stellten sich bei der Ausbildung von Menschen zur Weitergabe der Religiosität in Schule und Ausbildung oder der Umgang mit der derzeit kaum in der öffentlichen Wahrnehmung stattfindenden Inklusion von behinderten Menschen. Migration und Armut, aber auch die Erwartungen an die Erwachsenenbildung zeigten die Schwierigkeiten bei der Ansprache der weiten Teilbereiche der heutigen Gesellschaft. „Eine Dokumentation unserer Diskussionen in den workshops gibt es nicht: nehmen Sie die Ergebnisse und Eindrücke aber direkt mit in Ihre Kirchengemeinde und arbeiten Sie weiter an der Bildung vor Ort“, so die Aufforderung des Leiters der Synode, Pfarrer Detlev Schilling, nach einer sehr intensiven, zum Teil kontrovers geführten Debatte.

 

Ehrungen für langjährigen Einsatz

Bei der Synode wurde ebenso der ehrenamtliche Einsatz von Menschen geehrt, die sich wesentlich für die Arbeit im Kirchenbezirk eingesetzt haben. 

Ehrungen

Der Kirchenbezirk dankt ehrenamtlich Mitarbeitenden für ihren langjährigen Dienst in der bezirklichen Arbeit. Ihnen wird eine Dankesurkunde des Kirchenbezirks und die Goldene Ehrennadel der Landeskirche überreicht.

Von den zu Ehrenden waren anwesend und wurden geehrt:

für über 12 Jahre Dienst als Prädikant, als Prädikantin

Frau Dr. Adelheid von Hauff aus Schwetzingen. Sie ist seit 1982 in der Verkündigung tätig, zunächst als Lektorin, dann als Prädikantin. Außerdem ist sie seit 2002 Mitglied der Bezirkssynode und des Bezirkskirchenrats

Herr Michael Rauchholz aus Altlußheim ist seit 1997 Prädikant, außerdem ist er, mit einer Unterbrechung, seit 1996 Mitglied der Bezirkssynode

Herr Prof. Dr. Wolfgang Werner aus St. Leon-Rot seit 1996

für über 18 Jahre Mitgliedschaft in der Synode:

Herr Theo Kraus aus Hockenheim ist seit 1984 Bezirkssynodaler

Herr Wolfgang Krauth aus Leimen, mit Unterbrechung, seit 1984

Frau Christiane Pfeffer-Reinig aus Leimen, mit Unterbrechung, seit 1992

Frau Christa Muellerpoths aus Brühl seit 1996,

Herr Heinz-Otto Zilch aus Mühlhausen seit 1998

für über 12 Jahre Mitarbeit im Bezirkskirchenrat:

Herr Helmut Kühnle aus Wiesloch, er ist seit 2002 im Bezirkskirchenrat.

Unterstützung bekommt die evangelische Bezirksjugend durch Corinna Bauder. Jutta Reick, Gemeindediakonin der Wieslocher Petrusgemeinde, wird sich in einer zusätzlichen Projektstelle im Kirchenbezirk als Koordinatorin für Formen der „Einladenden Gemeinde“ einsetzen.