Frauentreffen Südliche Kurpfalz

Frauenarbeit im Bezirk ist viel lebendiger und vielseitiger, als es gemeinhin wahrgenommen wird

ein Workshop über Gottesbilder – neue Gruppen und neue Ideen und die Wahl der Bezirksbeauftragten

 
Tolle Neuigkeiten gab’s beim großen Frauentreffen in Wiesloch: in mehreren Orten des evangelischen Kirchenbezirk südliche Kurpfalz haben sich Frauen zu einer neuen Gruppe zusammengeschlossen. „Wie treffen uns regelmäßig, um uns über ein Thema auszutauschen“, berichteten an diesem Abend zum Beispiel zwei Teilnehmerinnen aus Leimen. Die Bezirks – Frauenbeauftragte, Beate Günther, wusste von weiteren neuen Gruppen in den Gemeinden Horan und Mittlerer Leimbach.
Dort organisieren die Christinnen jeweils Aktivitäten zur Freizeitgestaltung und bieten breiten Raum zum Austausch über alles, was bewegt. 

„Die Frauenarbeit im Bezirk ist viel lebendiger und vielseitiger, als es gemeinhin
wahrgenommen wird,“, weiß Günther durch persönliche Gespräche und Besuche in verschiedenen Orten. Das Problem sei nur, dass sie nicht sichtbar genug werde. Und so ermutigte die Bezirks – Frauenbeauftragte, „Wir müssen lauter werden“! Durch Öffentlichkeitsarbeit und Artikel in der weltlichen Presse, werde dieses tolle Engagement vor Ort nicht nur sichtbar, sondern inspiriere auch andere Frauen mit Ideen.

Die Leiterin des Leiterin des Referats „Erwachsenenbildung, Frauen und Männer“ der Landeskirche sorgte für eine Inspiration der Anwesenden beim Treffen in Wiesloch
mit ihrem Workshop über Gottesbilder:
 

GOTT HAT KEIN GESCHLECHT 
Wer eine Diskussion um das „Gendern“ des Gottes-Namens beim Treffen der Frauen im evangelischen Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz erwartet hatte, wurde enttäuscht.
Denn: „Gott hat kein Geschlecht“, so Dr. Beate Schmidtgen, Leiterin des Referats „Erwachsenenbildung, Frauen und Männer“ der Landeskirche. 

Sie ging an diesem Freitagabend Mitte April mit den Teilnehmerinnen der Frage nach:
„Wie rede ich Gott an?". Für die Suche nach der Antwort im Alten Testament brachte Dr. Beate Schmidtgen als Mit-Übersetzerin der Bibel in gerechter Sprache die optimalen Voraussetzungen für den Workshop mit.

Persönliches Gottesbild
Zunächst lag der Fokus jedoch auf dem persönlichen Gottesbild der Frauen vor Ort. Sie sammelten Namen, mit denen sie beim Gebet intuitiv Gott ansprechen. Es zeigte sich sowohl eine zu 99 % männlich konnotierte Vorstellung, als auch eine sehr statische. „Das Gottes-Bild, das wir haben, ist geprägt von der Art, wie wir aufwachsen“, erläuterte Dr. Schmidtgen. 
 
Übersetzungen der Bibel
Die Begriffe in der Bibel zeigen jedoch ein anderes. Da ist zum Beispiel die Rede von „El“, Hebräisch für das Wort Gott. Dieses Wort sei kein Name, sondern ein Gattungsbegriff, so die Referentin. Und offensichtlich ist Gott auch nicht immer in der Einzahl zu verstehen. In der Schöpfungsgeschichte ist von mehreren die Rede: „Elohim“ - lasst „uns“ Menschen machen. Der ebenfalls monotheistische Islam benutzt das Wort „Allah“, das ein Wesen bezeichnet, das größer ist, als man sich vorstellen kann. „Allah“ ist die arabische Übersetzung von „Gott“ und verwandt mit dem hebräischen Wort „El“. 
 
„Ich bin da“
Gott lässt sich nicht nicht festhalten. Er ist immer wieder im Wandel. Das zeigt vor allem seine eigene Antwort, als Moses ihn fragt: Wer bist du? „Ich bin ‚Ich bin da‘“, sagt er aus dem brennenden Dornbusch.
„Dieser Satz hat viele Übersetzungs-Möglichkeiten“, betonte Dr. Schmidtgen. Die Bedeutungen reichen von Ich-der-war über Ich-der-ist bis hin zu Ich-der-sein-wird. „In der Theologie wird das zusammengefasst in Ich-bin-da‘“, erklärte die Expertin für das alte Testament. Der biblische Name Gottes ist so heilig, dass er nicht ausgesprochen wird, sondern ein Kunstwort verwendet wird: Adonai.
 
Gott ist wandelbar
Martin Luther - Kind seiner patriachalen Zeit - übersetzte das Wort „Adonai“ schlicht mit „Herr“. Und das prägte unser Denken von Gott über Jahrhunderte von Generation zu Generation. Allerdings wird dies Gott nicht gerecht. Dr. Beate Schmidtgen: „Gott ist nicht statisch. Er lässt sich nicht festhalten. Er ist immer im Wandel und begegnet immer wieder neu“.
Dies wird in den ältesten Gebeten, den Psalmen, deutlich. Die Teilnehmerinnen fanden dort Bezeichnungen für Gott, wie: Quelle, Fels, Schild, Vater, Mutter, Adler, Richter, Hirte und ähnliche. Schon bald wurde klar: Auch sie konnten Gott nicht beschreiben. Unsere gläubigen Vorfahren haben versucht, mit Bildern der Gestalt Gottes nahe zu kommen, in der er sich ihnen gerade zeigte. 

Dr. Beate Schmidtgen ermutigte die Teilnehmerinnen, es ähnlich zu halten. Sie empfiehlt beim Gebet die Ansprache Gottes, „Gott, du - und dann ein Verb, das beschreibt, in welcher Form Gott uns gerade begegnet“. Um dies auszuprobieren, formulierten die Teilnehmerinnen in Gruppenarbeit ein altes Gebet um. So wurde aus „Allmächtiger, ewiger Gott“ beispielsweise „Gott, du bist immer da“. Selbst die jüngste Teilnehmerin im Grundschul-Alter formulierte ihr tägliches Nachtgebet „Vater, lass die Augen dein“ um in „Gott, lass die Augen dein“. Sie war mit ihrer Mutter über das Internet live zugeschaltet, die an diesem Abend aus Mangel an Betreuungsmöglichkeiten nicht persönlich in Wiesloch sein konnte.
 
Näher am Sinngehalt 
Die Teilnehmerinnen zeigten sich im Anschluss überrascht darüber, wie viel verständlicher die veränderten Texte auch waren. „Klar, heute reden wir ja ganz anders als damals“, sagte eine der Frauen. Die Runde war sich ebenso einig, dass ihnen der tiefere Sinn des Gebets nun „näher ist“.
Und so hat sich wohl das Ziel der Referentin Dr. Beate Schmidtgen erfüllt. Sie wollte „Impulse geben, mehr wagen zu dürfen“.


 
Mehr wagen, das könnte auch das Motto von Beate Günther sein, die an diesem Abend von den Anwesenden einstimmig wieder zur Bezirksbeauftragten gewählt wurde.
 
Dekanin Katharina Treptow-Garben leitete die Wahl der Beauftragten für Frauenarbeit im Evangelischen Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz und dankte ihr für ihr großes Engagement.
Beate Günther bedauerte ein wenig, dass keine weitere Mitstreiterin gefunden werden konnte. Allerdings erklärten sich Teilnehmerinnen bereit, bei einzelnen Projekten zu hospitieren. Die Zukunft des Weltgebetstags war dazu ein gutes Beispiel.  
Beate Günther schwärmte inhaltlich von dem Projekt, dass nun im kommenden Jahr bereits 100 Jahre alt wird. „Es ist eine weltweite, inter-konfessionelle und Grenzen überschreitende Friedensbewegung, die ihresgleichen sucht“, betonte die Frauenbeauftragte. Und nichts brauche es im Moment mehr auf der Welt als Engagement für den Frieden.
Damit der Weltgebetstag auch künftigen Generationen erhalten bleibt, einigten sich die Teilnehmerinnen an diesem Abend auf die Idee, in den Gemeinden schon die Jüngsten mit einzubeziehen. Sei es über Kinder-Gottesdienste - für die es ein spezielles WGT-Arbeitsgeft gibt -, oder die Einbeziehung von Kindern in den regulären Gottesdienst. 

Außerdem wird im Juni ein Walk-und Talk stattfinden, berichtete Günther weiter. Gemeinsam unterwegs für mehr Gerechtigkeit! Nähere Infos hier.